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Aschermittwoch – ein vergessener Tag

Ich sitze mit einem für einige Zeit letzten Whiskey an meinem Schreibtisch und bearbeite den ersten Beitrag zum Fastenblog. Morgen ist Aschermittwoch und ab morgen verzichte ich auf Alkohol. Ich liebe diese Tage, die mit Bedeutung aufgeladen sind. Sie helfen mir über mein Leben nachzudenken und es nachhaltig zu gestalten. Zugegeben: mit dem Aschermittwoch bin ich da inzwischen ziemlich einsam. Er wird kaum mehr als ein Tag der Zäsur wahrgenommen. Und was mit diesem Tag verbunden ist an Begriffen ist überhaupt nicht mehr sexy: Umkehr, Busse, Verzicht. Das hat sicher auch damit zu tun, dass unsere Alltagswirklichkeit wenig mehr mit jener der Menschen zu tun hat, für die die Fastenzeit als eine Zeit des Verzichts und der Ausrichtung auf spirituelle Werte bedeutend war. Nicht von ungefähr liegt die Fastenzeit am Ende des Winters, wo eh ein Mangel an Essbarem herrschte. Was blieb den Menschen anderes übrig als den Mangel an Nahrung spirituell zu kompensieren? Brauchen wir doch alles nicht mehr, könnte man meinen! Bei uns ist ja der Kühlschrank immer gefüllt. Was aber unsere Kultur vergisst: diese alten Muster, die Wechsel von Fülle und Mangel, von Leben aus dem Vollen und Verzicht, ist tief in unseren Körpern und in unserer Psyche eingeschrieben. Wir sind halt eben Teil dieser zyklischen Natur, auch wenn unser rationaler Weltzugang versucht, die Abläufe nach unserem Willen zu kontrollieren. Ich bin überzeugt, dass dies auf die Dauer nicht gut geht. Wir brauchen diesen Wechsel von Mehr und Weniger, von Genuss und Verzicht, von Überfluss und Reduktion.

Wie gut gibt es einen solchen Tag wie Aschermittwoch: Innehalten und sich Zeit nehmen zu überprüfen, ob mein Leben im Lot ist. Die spirituelle Weisheit früherer Kulturen war eben nicht nur Kompensation von Mangel an Nahrung, sondern tiefes Wissen über die Natur des Menschen.

Wir spüren es ja selber, dass wir gerade umgekehrt den Mangel an Verbundenheit mit Konsum kompensieren. Gerade deshalb brauchen wir Verzicht, oder nenn es Reduktion, wenn dir das besser gefällt.

Ich selber mache folgendes während der Fastenzeit/Reduktionszeit:
Ab morgen trinke ich keinen Alkohol mehr. Ich habe gemerkt, dass ich in letzter Zeit mehr trank als mir guttut. Und ich habe wahrgenommen, dass ich in einer Phase war, in der ich zu Selbstmitleid tendiert habe. Der Alkohol half, mich darin behaglich einzurichten, zwar nicht zufrieden, aber eben irgendwie behaglich. Daraus will ich aufbrechen. Umkehren zu mehr Ehrlichkeit und Nüchternheit.

Auch zum behaglichen Programm gehörte intensiver Konsum von Social Media. Als Single habe ich auch viel Zeit auf Dating Apps verbracht. Auf die Dating Apps will ich ganz verzichten. Das Surfen auf Social Media will ich reduzieren, vor allem nach dem Aufwachen und vor dem Einschlafen. Ich möchte dadurch Zeit freibekommen für Stille, Natur und Begegnungen.

Und dann werde ich natürlich vom 14.-21. März gänzlich auf Nahrung verzichten. Ich freue mich schon auf diese Zeit, die intensive Prozesse in Gang bringt und auf die Begegnungen während dieser Woche.

Und du: Wo liegt deine Reduktion? Dein Verzicht? Dein Fasten?

Gerne beraten Melanie und ich dich bei der Suche nach der richtigen Methode, dein Konsumverhalten und deine Zufriedenheit zu befragen.

Nun trinke ich den letzten Schluck meines Whiskeys und mindestens bis Ostern ist damit Schluss!

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