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Kann man Geld essen?

Ein Beitrag von Melanie Gajowski

Nein – natürlich nicht. Geld selber nährt uns nicht. Wir müssen es immer in etwas anderes, zum Beispiel in Lebensmittel, umtauschen. Leben vom Geld können wir also nicht. 

«Was könnte die Wirkung von Geldfasten sein?» Diese Frage habe ich zum Ende des zweiten Blogeintrages gestellt. Bevor ich die Frage zu beantworten versuche, möchte ich zunächst einmal für jene, die sich weniger oder anders mit Geld beschäftigen als ich, der Frage nachgehen, was Geld ist.  

Es scheint, fast alle denken, dass sie Geld zum Leben brauchen. Das ist irgendwie wahr – und dann doch wieder nicht. Denn, wie schon eingangs festgestellt: Geld können wir nicht essen! Aber in der Welt, in der wir leben, scheint Geld eines der wichtigsten Elemente zu sein, denn für so gut wie alles scheinen wir Geld zu benötigen – so denken und leben wir zumindest.

Mit meinen ersten Blogbeiträgen zum Thema Geldfasten habe ich mehr Fragen als Antworten in den Raum gestellt, mehr Unordnung als Ordnung in meine Gedanken gebracht, die um das Thema der Wirkung des Verzichts auf Geld kreisen.

Auch beim Nahrungsfasten ist es in den ersten Tagen immer wieder so, dass meine Gedanken in Aufruhr geraten und mein Körper eine Alarmstellung einnimmt. Der Verzicht auf feste Nahrung bedeutet auch, dass mein Stoffwechsel sich verändert und sich auf die neue Situation einstellt. Seitdem ich mich gedanklich mit dem Geldfasten beschäftige, beobachte ich, wie sich sowohl meine Einstellung als auch meine Ansichten über das Geld und seine Wirkung auf mich verändern.

Die Auseinandersetzung mit dem Geldfasten findet bei mir vorläufig nur in Gedanken und nicht in Taten statt. Das war wahrscheinlich auch so, als ich vor inzwischen mehr als 30 Jahren zum ersten Mal in meinem Leben zu einer Woche Fasten und Wandern ins Berchtesgadener Land gefahren bin. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten wird, und war ziemlich aufgeregt und neugierig. Damals konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, dass ich mehr als 24 Stunden ohne Nahrung auskommen werde.

Zurück zum Geld. 

Sieben Tage ohne Geldausgaben hat auf mein persönliches Leben keinen erkennbaren Einfluss. Aber das liegt vielleicht auch daran, dass Geld und Zeit auf eine Weise miteinander verbunden sind, in der eine Woche nicht wirklich eine Rolle spielt. Meine Einnahmen und Ausgaben kann ich für eine gewisse Zeit aufschieben. Natürlich nicht für ewig und schon gar nicht lange über eine bestimmte Fälligkeit hinaus, aber ein paar Tage oder Wochen kann ich die meisten Zahlungen hinauszögern. 

Mein Vermieter erwartet von mir die monatliche Zahlung der vereinbarten Miete. Wenn ich ausnahmsweise ein paar Tage später zahle, wird die Welt nicht untergehen. Wenn ich natürlich regelmässig verspätet bin oder sich die unbezahlten Mieten anhäufen, ist dies etwas anderes. Dann wird mein Vermieter die Geduld mit mir verlieren und den Mietvertrag kündigen.

Für die Annäherung an die Wirkungen des Geldfastens ist es spätestens jetzt notwendig, dass ich mir nochmals genau anschaue, wo Geld eigentlich seine Wirkung verbreitet.

Im Beispiel von meinem Vermieter und mir ist es eine Vereinbarung, die er und ich getroffen haben, für die Nutzung von etwas, dass ihm gehört und welches er mir gegen Zahlung eines monatlichen Betrages zur Verfügung stellt. 

Ich glaube, wenn ich ihm erklären würde, aufgrund meiner Idee, Geldfasten längerfristig zu erforschen, für die kommenden Monate keine Miete mehr zu bezahlen, wäre er nicht einverstanden. Ich würde damit einseitig eine Vereinbarung, die wir getroffen haben, nicht einhalten. Sein Unmut darüber wäre mehr als verständlich.

Also, zurück auf Feld 1, zurück zur Frage: «Was ist Geld?»

Der Duden definiert Geld wie folgt:

  1. in staatlichem Auftrag aus Metall geprägtes oder auf Papier gedrucktes Zahlungsmittel
  2. größere [von einer bestimmten Stelle stammende, für einen bestimmten Zweck vorgesehene] Summe
  3. Kurzform für Geldkurs (Beispiel US-Dollar = Euro 0,82 Geld)

Und zur Herkunft des Wortes «Geld» sagt der Duden:

mittelhochdeutsch gelt = Zahlung, Vergütung, Einkommen, Wert; dann: geprägtes Zahlungsmittel, althochdeutsch gelt = Zahlung; Lohn; Vergeltung, zu gelten

Für ein einigermassen vollständiges Bild muss ich zunächst auch noch die Frage «Was ist die Funktion von Geld in der Wirtschaft?» beantworten, denn Geld und Wirtschaft sind ja bekanntlich eng miteinander verbunden.

Geld erfüllt in unserer Wirtschaft vier Funktionen:

  1. allgemeines Tausch- und Zahlungsmittel
  2. Wertmesser und Recheneinheit
  3. Wertaufbewahrungsmittel
  4. Wertübertragungsmittel

1.  und 2. sind für die meisten wahrscheinlich noch logisch und präsent. Daher erläutere ich sie hier nicht weiter.

Zu 3.: Wertaufbewahrung bedeutet vereinfacht, dass Geld den Wert einer erbrachten Leistung speichert. Ein Beispiel: Ich arbeite einen Monat und am Ende des Monats erhalte ich dafür einen bestimmten Betrag. Einen Teil davon verwahre ich für die kommenden Monate auf meinem Konto und nutze ihn anschliessend, um mir ein Sofa für meine Wohnung zu kaufen. Der Termin, zu dem ich das Geld bekommen habe und meine Leistung erbracht habe, und der Termin, zu dem ich das Geld wieder ausgebe, liegen zeitlich auseinander. Geld ermöglicht mir, selber zu bestimmen, wann ich die gebrachte Leistung in etwas anderes umwandle. Diese Speicherfunktion ist der Grund dafür, dass es so gut wie keine Auswirkung auf mich hat, wenn ich eine Woche Geldfaste. Mit Wertübertragung, der vierten genannten Funktion, ist gemeint, dass etwas durch das Geld einem bestimmten Wert zugeordnet wird. Zum Beispiel der oben erwähnte Lohn entspricht dem Wert, den meine Arbeitgeberin meiner Arbeit beimisst. Der Betrag, den mein Vertragspartner im Kontext meiner Selbständigkeit für meine Dienstleistung bezahlt, entspricht dem Wert meiner Leistung in Geldeinheiten. Diesen Wert kann ich in Form von Lebensmitteln, einem Sofa oder irgendetwas anderes, was ich kaufen kann, transformieren.

Soviel zur Definition von Geld. 

Wie wirkt also Geldfasten? 

Zunächst einmal ist in dieser Vorbereitungszeit die Hauptwirkung auf mich, dass ich mich wirklich, intensiv und ehrlich mit meinem Verhältnis zum Geld beschäftige. Dies ist etwas, was normalerweise im Alltag untergeht. 

In meinem Alltag ist meist genug Geld da, für das, was ich mir leisten möchte, manchmal zugegebenermassen zu wenig für alles und dann muss ich mich fragen, ob ich das, was ich gerade kaufen möchte, wirklich brauche und wenn ja, wie ich die notwendigen Mittel erschaffe: Durch zusätzliches Arbeiten, durch Sparen, dadurch, dass ich mir das Geld leihe oder mit Glück auch dadurch, dass mir jemand, etwas von sich aus schenkt.

 «Brauche ich das schöne Sofa wirklich, und wenn ja, muss ich es mit Geld kaufen?» ist eine weitere Frage, die durch meine Beschäftigung mit dem Geldfasten sichtbar und relevant wird. So wie ich mich nach dem Abschluss einer Fastenwoche jedes Mal beim Verzehr von Nahrungsmitteln frage, ob mir das, was ich gerade zu mir nehme, wirklich gut tut.

Es wird spannend werden, weitere Wechselwirkungen zwischen Geld und Fasten im Verlauf der Fastenzeit näher anzuschauen.

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