Kategorien
Allgemein

Nachhaltigkeit und Verzicht

ein Beitrag von Julia Medugno

Können wir die seit 1970 angestrebte Nachhaltigkeit zur Bewahrung der Schöpfung erreichen, ohne dass der einzelne Mensch lernt, gerne zu verzichten?
Muss Verzichten etwas Negatives bleiben? Oder verzichten wir, um den seit Anfang der Schöpfung an uns gerichteten Auftrag des Achtgebens auf Pflanzen und Tiere aus tiefstem Herzen umsetzen zu können? Dieser Würde-gebende Auftrag des Behütens der Erde, oder wie im Hebräischen des  “shomers-Sein” (Shomer bedeutet Hüter oder Hirte) führt uns weg von der Nachhaltigkeit als Gewissensberuhigung des Einzelnen zu einer treuen Hingabe an den göttlichen und Leben stiftenden Auftrag des Achtgebens auf das Tier- und Pflanzenreich.
(1 Mose 1.26)

So wird zum Beispiel der Verzicht auf einen Flug nach Amerika (weil eine Schiffsreise aus persönlichen Gründen nicht drin liegt) anstatt ‘lebens-beschneidend’, im grossen Sinne lebensfördernd für alle.  Die christliche Tradition macht uns ein Angebot zur Befreiung aus dem Überfluss und bietet eine Erlösung zur Genügsamkeit. 


Es gibt uns Menschen eine neue Würde, wenn wir uns in unserem Konsum- und Reiseverhalten weiterentwickeln. Wir können unser Konsumverhalten auf höheres Bewusstsein heben. Anstatt dass man sagt ‘was ich haben kann, das will ich auch’, könnten wir vielmehr wachsen und uns in diesen Bereichen zu Menschen entwickeln, die fähig sind zu teilen. So schaffen wir es vielleicht, die alte Wirtschafts-Lüge “Ohne Wachstum gerät die Gesellschaft in eine Krise” zu widerlegen.

Wir können unseren eigenen Konsum kritisch hinterfragen und dadurch mehr und mehr Verantwortung für unsere Natur zu übernehmen. Doch noch flimmert es in der Werbung “grösser, besser, angenehmer, einfacher, schneller ” und ermutigend “ökologischer, reiner, fairer, unbedenklicher”, aber immer noch alles zu UNSEREN Diensten. Unsere Wünsche zu erfüllen, bleibt zentral. Anstatt unseren Konsum nur einfach ein klein wenig nachhaltiger zu machen, können wir uns entscheiden, weniger zu verbrauchen, aus Dankbarkeit und Erfüllung aus der Güte des GEBENDEN selber.


Ein Weniger für uns, bedeutet ja auch genug für alle. Also ein Weniger von uns kommt zum Beispiel benachteiligten Menschen der dritten Welt zugute, denn Produkte von skrupellosen Firmen, die in wirtschaftlich weniger entwickelten Gebieten Ressourcen plündern NICHT ZU KAUFEN, bedeutet GEBEN.


Ein Loslassen von Konsum könnte zu einem Geschenk werden an DEN , der uns durch die Natur übermäßig beschenkt. Ein Opfer an den EWIG GEBENDEN.  Und wenn auch die Bezeichnung des Opfers in unserer Gesellschaft einen negativen Geschmack hat, so ist die tiefe Bedeutung eines Opfers ja schon im alten Testament die Folgende: Der Beschenkte schenkt DEM, der schenkt, freiwillig etwas zurück. (2 Mose 35.1-29)

Die Erfüllung, die aus einer tiefen Beziehung zum SCHÖPFER kommt, formt uns nicht zu verbissenen Asketen oder rechthaberischen Gutmenschen. Denn wir sind Gebende, die von Gottes Güte und Hoffnung erfüllt sind. Denn nehmen macht uns ja nicht wirklich selig; geben und loslassen machen uns langfristig glücklich und frei.

Julia Medugno
Leitung Ensemble u l t r S c h a l l

übrigens:

Eine szenische Konzert-Collage zum Thema Nachhaltigkeit: „Meine Güte?..!“ 

Glanz und Gloria! Geiz ist Geil! Geld, Gier und Gehabe! Oder Genügsamkeit, Geben Hingabe? Ausgewählte Arientexte aus J.S.Bach Kantanten zum Thema Genügsamkeit sprechen von einer geschenkten Erfüllung und Güte, die jenseits unserer eigenen Leistung liegt. Im Kontrast zur barocken Musik werden wir Instant-Kompositionen und Improvisationen zum Thema Konsum oder Nachhaltigkeit setzen.

-21.Juni: um 17.00, Monolith Zürich, Brahmstrasse 100

-26. September Nachmittags Klosterkirche,  Kappel am Albis

4 Anworten auf „Nachhaltigkeit und Verzicht“

Liebe Julia,
von Herzen Danke für diesen Beitrag. Zwei Dinge haben mich besonders berührt: Zum einen die Verbindung der Nachhaltigkeit mit unserer Würde. Ein schöner Gedanke, dem ich weiter nachgehen werde.

Zum zweiten war es der Satz „Ein Weniger für uns, bedeutet ja auch genug für alle.“ der bei mir sehr anklingt. Denn dieser Satz trifft es genau: Wir, die wir in vielen Dingen zu viel haben, können dafür sorgen, dass andere genug haben. Wir haben es in der Hand, durch unser eigenes Verhalten ein lebenswertes Leben von anderen mitzugestalten. Diese Wirkung ist global und kann viel Gutes in Gang setzen.

Danke für deinen Beitrag und für all die Arbeit, die du in diesem Kontext tust

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.