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Wie gelingt es positive Veränderungen auch langfristig beizubehalten?

Ein Beitrag von Melanie Gajowski

Die Coronakrise hat auch uns zu Veränderungen im Ablauf der Fastenwoche veranlasst. Wir haben entschieden, uns nicht im öffentlichen Café «Jenseits im Viadukt» zu treffen, sondern nur in der Altstadt im Raum an der Trittligasse 16 Annex und dies an den entsprechenden Tagen jeweils um 16 Uhr, das nächste Mal also heute um 16 Uhr und dann am Dienstag, 17. März 2020.

Am Samstag zu Fastenbeginn haben wir vor allen Dingen über zwei Themen diskutiert: Wie bringen wir die positiven Entwicklungen, welche die Coronakrise für die Gesellschaft und auch für das Klima bringt, weiter in die Zukunft?  

Im Laufe der Diskussion kam dabei die Kirche ins Spiel. Brauchen wir überhaupt noch die Institution Kirche und wenn ja wozu? Da ich für diese Woche in meinen Blogbeiträgen aber beim Geld und beim Fasten bleiben möchte, fokussiere ich mich auf die erste Frage.

Ab morgen, Montag, 16. März 2020 bleiben die Schulen zunächst einmal bis 4. April geschlossen. Für einige Schulen ist bereits klar, dass es bis zum 30. April keinen Unterricht geben wird. In Restaurants dürfen sich zeitgleich nicht mehr als 50 Personen in Räumen aufhalten. Veranstaltungen mit über 100 Personen sind bis Ende April nicht mehr erlaubt.

Das Leben verlangsamt sich – ungeplant, von aussen bestimmt. Gleichzeitig ist dies ja auch genau das, was ich für mich mit der Fastenwoche bezwecke. Auch im Café Jenseits, in welchem wir uns am Samstag für den Start getroffen hatten, blieben alle Plätze um uns herum leer. 

Gibt es dem Verhängnis überhaupt etwas Positives abzugewinnen? Viele Hoteliers, Restaurantbesitzer und -pächter, Eventveranstalter und unzählige andere Selbständige werden diese Zeit noch lange in Erinnerung behalten, und dies bestimmt nicht positiv. Ihre Existenzen hängen davon ab, dass jemand vorbeikommt und konsumiert, Geld in den Fluss bringt.


Doch brauchen wir wirklich all diese Veranstaltungen? Braucht es jede Woche Orte, an welchen sich über 1000 Menschen zusammenfinden, um sich in eine andere Welt zu beamen? Brauchen wir den alltäglichen, den sonntäglichen Gang ins Restaurant?

Genau das, was ich mir vom Fasten wünsche, passiert gerade auf der Ebene des täglichen Lebens – viele Dinge, die uns lieb geworden sind, fallen ganz plötzlich weg. Zugegeben, mein Fasten ist freiwillig und die Massnahmen zur Eindämmung der Coronakrise werden uns vom Staat vorgeschrieben. Trotzdem ist die Wirkung ähnlich. Wir erkennen, was uns wirklich wichtig ist. Freunde beginnen achtsam bei Treffen einander zu fragen, welche Form der Begrüssung sie sich wünschen. Verabredungen werden so getroffen, dass die Sicherheitsbedürfnisse der einzelnen aber auch das Risiko der möglichen Gefährdung von anderen berücksichtigt werden. Wir fragen einander wieder, was wir brauchen. Wir nehmen Rücksicht auf die Bedürfnisse der anderen. Endlich wieder! 

Die Frage, die nun dringend wird, lautet: Wie können wir diese Achtsamkeit auch bewahren, wenn die Krankheitswelle wieder vorbei ist? 

Das Bewahren gilt natürlich auch für all die Entwicklungen, die sich positiv auf die Natur und unseren Alltag auswirken. Die reduziert arbeitenden Fabriken führen zu besserer Luft, Flugzeuge bleiben am Boden und reduzieren damit den CO2-Ausstoss. Auch nicht zu unterschätzen ist, dass sich die Pendler auf unterschiedliche Züge verteilen und es somit wieder möglich ist, auch in Stosszeiten einen Sitzplatz zu bekommen. Wir fragen uns bewusst «Wie und wann wollen wir reisen?» und dies für den Berufsalltag genauso wie für den Ferienaufenthalt. Im Supermarkt werden die Grenzen des Konsums sichtbar, denn es ist nicht mehr alles in den Regalen zu finden und wir merken, dass wir auch gar nicht all das brauchen, was wir sonst in unsere Einkaufwagen packen.

Wir haben den Autopiloten verlassen und treffen für einen Moment bewusste Entscheidungen, und auf vielen Ebenen schadet es uns nicht, im Gegenteil.

Wie wird es gelingen, diese positiven Aspekte in nachhaltige Verhaltensweisen umzuwandeln und nicht wieder bei der ersten Gelegenheit zu beginnen, masslos und achtlos zu konsumieren und zu reisen?

Meine ehrliche Antwort: Ich weiss nicht, wie die Welt sich nach der Coronakrise entwickeln wird. Ich spreche gerade mit so vielen Menschen, die sich die gleichen Fragen wie ich stellen und sich auch wünschen, dass wir uns verantwortungsvoll in dieser Welt bewegen. 

Das stimmt mich zuversichtlich. Und als einen ersten Schritt werde ich selber für mich ganz persönlich all die positiven Aspekte dokumentieren, damit ich mich auch, wenn wir längst wieder zur Normalität übergegangen sind, erinnere, was mir wirklich guttut.

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