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Fasten mit Corona

Ein Beitrag von Igrid Grave

Weil lange auf diese Zeit geplant, bin ich eingestiegen in eine Fastengruppe – trotz Corona!

Ich gehöre aufgrund meines Alters zur Risikogruppe.

Fasten bedeutet vordergründig Verzicht auf Ernährungsgewohnheiten. Dies fördert die Selbstdisziplin. Im Laufe einer Woche runterfahren auf Gemüse- oder Obstsaft, Tee und Wasser. Die neue Herausforderung in der gegenwärtigen Situation heisst Corona.

Ich faste gemeinsam mit einer Gruppe. Wir trafen uns zweimal zu einem Austausch. Weitere Treffen hat Corona abgesagt. Ein unerwarteter Verzicht. Er fordert unsere Kreativität: Wir telefonieren miteinander. Dabei taucht ein neues Thema auf: Wieviel braucht der Mensch? Auf wieviel kann er verzichten? Was macht der Verzicht mit mir?

Ich erinnere mich: Es sind etwas fünf Jahrzehnte her. Ich lebte damals bereits in meinem Kloster, zu dem ich jetzt noch gehöre. Die Tage waren durchstrukturiert, das Essen war gut, aber einfach. Die Kleidung war beschränkt auf das, was man unter Ordenskleidung versteht.

Als Gruppe jüngerer Schwestern suchten wir eine Möglichkeit, uns freier zu bewegen als nur im Gehen und Wandern. Wir stellten uns ein regelmässig stattfindendes gemeinsames Turnen vor. Die Räumlichkeit war gegeben. Was fehlte, war die entsprechende Kleidung. Persönliches Geld, diese zu beschaffen, gab es nicht. Der Verzicht auf das, was uns früher mit grösster Selbstverständlichkeit zur Verfügung gestanden war, lähmte uns nicht. Im Gegenteil! Der Verzicht liess uns kreativ werden.

Zum Fundus der Klosterschule gehörte ein grösserer Theaterschrank mit entsprechender Kleidung. Jede fand für sich die passende „Turnhose“ und so weiter… Was zuvor nur auf der Bühne zur Schau getragen worden war, machte jetzt – rein von der Bekleidung her – jede „Turnstunde“ auch noch lustvoll!

Ein Foto gibt es nicht. Es fehlte der Fotoapparat. Das hat den Vorteil, dass dieser Mangel dazu angetan ist, Ihre Phantasie anzuregen.

Fazit:

Verzicht macht kreativ, öffnet den Blick für Dinge, die vorhanden sind und nur darauf warten, entdeckt und geschätzt zu werden.

Corona könnte uns in diesem Sinne über die Ausgangssperre hinweghelfen. Mehr! Corona könnte uns aufzeigen, dass wir in unserer heutigen Habenskultur das meiste nicht brauchen, womit wir uns umgeben.

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