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Welche Kirchen brauchen wir?

Anhand meiner Theologie des Bauchnabels, die ich in einem früheren Blog entworfen habe,  skizziere ich eine Kirche, wie ich sie mir wünsche. Ich entwickle es an den Elementen zyklisches Sein, Angst, Begehren und Macht.

Zyklisches Sein

Ich wünsche mir Kirchen, die …

… ein ausgeprägteres Geschichtsbewusstsein entwickeln, da die momentanen Formate und Lehrmeinungen der Kirchen ein Produkt der letzten Jahrzehnte sind oder gar Jahrhunderte und den aktuellen Entwicklungen hinterherhinken.

… Experimente fördern, die das Zukünftige ausprobieren und herbeiführen.

… zeitgemässe Formen suchen, die das Eingebettet Sein in die Gesetzmässigkeiten des Lebens und der Natur sinnlich und intellektuell einüben.

… ihre uralten Einsichten und Praktiken prüft, ob sie das Leben der Menschen zu transformieren und ins Gleichgewicht zu bringen vermag.

… beherzt die Haltung der Belehrung verlässt und mehr sinnliche und spürbare Erfahrungen ermöglicht und dabei neben dem nachdenken mehr den Körper einbezieht

Angst

Ich wünsche mir Kirchen, die …

… aus ihrer Fixierung in den eigenen Welten herauskommen

… keine Angst haben, ihre Kirchenräume zu verlassen und in Begegnung mit anderen Welten ihre Überzeugungen und Praktiken anzubieten und weiter zu entwickeln.

… ihr Handeln weniger an Glaubensätzen und moralischen Kriterien, sondern mehr an einer integralen Ausrichtung orientieren.

… Orte schaffen, wo eine intime Gottesbeziehung gepflegt werden kann, indem sie verschiedenste Formen von Gebt, Stille, Meditation fördern, die das Vertrauen wachsen lassen, und Räume anbieten, in denen Formen von Spiritualität eingeübt werden können.

… keine Angst haben vor neuen Formen und Inspirationen durch andere Traditionen.

… durch Kunst, Rituale und gehaltvolle Impulse Seelenschichten nähren und eine Offenheit für das Ganze fördern.

… Räume bereitstellt, wo Ängste frei ausgesprochen werden können.

… die Solidarität von Menschen fördern, indem sie Räume schaffen, in denen Menschen aus ihrer Isolation herauskommen können.

Begehren

Ich wünsche mir Kirchen, die …

… ihr Handeln nicht an der Besitzstandswahrung ausrichten.

… aus ihrem Aktionismus herauskommen und ihre Angebote überprüfen, ob sie wirklich einem Bedürfnis entsprechen.

… die moralische Verurteilung des Begehrens der Menschen aufgeben und stattdessen Hilfestellungen anbieten, damit Begehren nicht in eine Spirale des Immer Mehr gerät.

… die dazu beitragen, dass die Balance von Nehmen und Geben eingeübt wird, indem sie alle Formen von Teilen fördert – nicht zuletzt auch durch die Möglichkeit der Teilhabe aller an allen Ebenen des kirchlichen Lebens.

… gutheisst, dass viele Menschen auf Teilnahme und Teilhabe verzichten – ohne den Anspruch zu glauben, dass ihnen dadurch etwas fehle.

Macht

Ich wünsche mir Kirchen, die …

… die divergierenden Meinungen und Lebensformen nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung verstehen.

… die Macht auf allen Ebenen reflektieren und sie immer in Beziehung und Situation verantwortungsvoll leben.

… Machtmissbrauch benennen und aufarbeiten.

… die Kontrollen reduzieren und dadurch positive Entwicklungen ermöglichen.

… absolute Positionen relativeren und Paradoxes und Ambivalentes ins Recht setzen.

… alten Ballast loslassen, der so vielen Menschen geschadet hat, immer noch belastet und Neues verhindert!

nach der Corona-Krise

Wenn die Corona-Krise vorbei sein wird, werden wir neue Prioritäten kennen gelernt haben.

Wir werden eine neue Nähe und Solidarität erfahren haben.

Wir werden die Frage bedacht haben, was uns wichtig ist, wer wir als Mensch und füreinander sind.

Wir werden auf verschiedenen Ebenen gemerkt haben, dass Weniger gar nicht schlimm ist.

Wir werden gemerkt haben, dass Menschen die spalten, keinen Beitrag zu Zukunftsfragen leisten können.

und vieles mehr.

Ich wünsche mir Kirchen, die helfen, diese Einsichten nachhaltig wirksam werden zu lassen und fragen, welche Räume es dazu braucht, Räume diesseits und jenseits von religiösen Systemen.

2 Anworten auf „Welche Kirchen brauchen wir?“

Danke, lieber Meinrad für deine innovativen Gedanken , die uns zum kreativen Umgang im Gestalten des Miteinanders als Gläubige anregen.

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