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Fastenbrechen

Bild: Vroni Grütter; Text: Meinrad Furrer

Morgen beenden wir in unserer Fastengruppe die Fastenwoche. Leider nicht zusammen. Das Fastenbrechen war immer ein Fest.

Das Ende der Fastenzeit ist ein unglaubliches Erlebnis. Nach einer Zeit des bewussten Verzichts auf Nahrung essen wir wieder zum ersten Mal. Ich beginne jeweils mit einer Kartoffel. Ohne Salz. Wow, wie eine Kartoffel schmeckt! Es ist ein gutes Bild dafür, was wir gewinnen, wenn wir ab und an bewusst verzichten um dann umso bewusster zu konsumieren. Wir sind dann viel langsamer, verschlingen kommt nicht in Frage. Unsere Sinne sind viel wacher, nehmen die Schönheit, den Geschmack, den Geruch, das Gefühl des Zergehens im Mund viel intensiver wahr. Das was wir Achtsamkeit nennen. Wunderbar, das muss zelebriert werden. Wie wäre es, überhaupt unser Leben mehr zu zelebrieren. Die einfachen Dinge das Alltags einfach sehen, wahrnehmen und zelebrieren. Dann brauchen wir gar nicht so viel!

Es ist eigentlich falsch, dass unsere Fastenwoche zu Ende geht. Denken wir daran, was George Bernard Shaw  gesagt hat:

Jeder Dumme kann fasten,
aber nur ein Weiser
kann das Fasten richtig brechen.

Richtig heisst: zuerst einige Aufbautage machen. Gut ist es, sich dabei an der Ernährungspyramide zu orientieren.
Das heisst: am ersten/zweiten Tag nur Gemüse und Früchte, ab dem dritten Vollkorngetreide und Hülsenfrüchte dazu nehmen, und nur langsam tierische Produkte integrieren, falls das Bedürfnis dazu vorhanden ist.

Weitere Rezepte für ein richtiges Aufbauen

  • Achte weiter auf die Ernährungspyramide, je höher umso sparsamer
  • Iss langsam, bewusst, genussvoll, kaue gut
  • Achte darauf, wann du gesättigt bist
  • Bewege dich viel, vor allem in der Natur (falls das noch möglich ist)
  • Beobachte beim Einkaufen, was du wirklich brauchst
  • Plane in deinen Alltag Ruhephasen ein, in denen du einfach bist und wahrnimmst, wie es dir geht (auch in Zeiten von Corona: nicht zu viel Netflix und so, einfach Ruhe geniessen!)
  • Lass die Themen und Fragen, die dir in der Fastenwoche bewusst geworden sind, nicht wieder durch den Alltag überdecken. Bleibe dran. Schreibe darüber. Sprich mit deinen Freunden oder mit einer Vertrauensperson. (Schön, dass wir wegen Corona wieder mehr telefonieren und austauschen)

3 Anworten auf „Fastenbrechen“

„Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.“ Friedrich von Humboldt 1767-1835

Es war einfach wunderbar, dass wir trotz Ausganssperre miteinander verbunden waren, und immer noch sind.

Betrachtung
Heute beim Fastenbrechen, als die zwei Kartoffelhälften in Herzform vor mir auf dem Teller lagen, war das ein feierlicher Anlass für eine Betrachtung. Wie gut fühlt sich das an, wenn das Bild, das sich vor den entspannten Augen ausbreitet, zu mir spricht – auf unmittelbare Weise mit meinen Organen in Resonanz kommt, damit diese sich freuen dürfen auf das, was ihnen demnächst zugeführt wird.
Farben essen – Geschmack essen – Konsistenz essen – Geruch essen – das Süssliche des Erd-Apfels essen – die Grünkraft essen… wie schön, wenn unsere Organe uns „Feedback“ geben, bevor wir mit Essen begonnen haben. Eigentlich ist es doch so, dass das Essen schon vor dem Essen beginnt…
Wenn sich der Magen einverstanden erklärt über Geruch und Farbe, dann wird die Verdauung bestimmt gelingen.
Noch etwas berührt mich in letzter Zeit so sehr: Die Einfachheit. Einfachheit hat – so empfinde ich es – sehr viel mit Ehrlichkeit zu tun. Es ist gut so, wie es ist. Einfachheit zeigt sich meistens im „Jetzt“. Da braucht es kein Hinterfragen oder Spekulieren – so wie heute die zwei Kartoffelhälften auf meinem Teller. Einfachheit bewegt mein Herz ganz still. Wenn ich immer von Neuem die Schönheit in der Einfachheit entdecke, dann bin ich reich.
So habe ich das Fastenbrechen erlebt – ganz fest bei mir und ganz fest mit euch zusammen – und -ganz reich. – Danke –

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