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Nach dem Fastenbrechen

Seit gestern esse ich wieder. Ich habe es vermisst, mit den andern in der Fastengruppe zusammen das Fasten zu brechen. Fastenbrechen ist immer ein sehr spezieller Moment, ein Fest. Also machte ich für mich selber ein kleines Fest. Ich putzte das Fenster vor meinem Tisch. Ich deckte den Tisch festlich, mit Tischtuch, Kerzen und Blumen und richtete meinen Teller mit der Kartoffel schön an. Meinen Saft trak ich im Sektglas. Ich nahm mir viel Zeit.

So vieles war präsent in dieser Zeremonie. Ich war dankbar einmal mehr eine Fastenwoche erlebt zu haben und mich so leicht und frei zu fühlen. Ich war dankbar, für die Menschen, die mit mir gefastet hatten und ständig im Austausch waren. Ich war froh, intensiv gespürt zu haben, wie wenig wir eigentlich brauchen. Und ich genoss den Moment von grosser Präsenz. Einfach da sitzen, die Farben des gedeckten Tischs geniessen, und diesen wunderbaren Geschmack der Kartoffel, süss und erdig gleichzeitig. Nächstes Jahr wieder mit lieben Menschen zusammen, dachte ich. Denn eine geteilte Zeremonie hat nochmals eine andere Kraft.

Dabei ist mir der Grönländische Schamane Angaangaq in den Sinn gekommen. Er redet viel darüber, wie wir Europäer die Zermonien vergessen, ja mehr noch, wie wir vergessen haben, dass wir die Zeremonien vergessen haben.

«Zeremonien heben den Geist, öffnen das Herz und helfen persönliches Gleichgewicht zu finden … Ohne Zeremonien bist du einfach nur da: Du schläfst, stehst auf, isst, gehst zur Arbeit, schaust Fernsehen, surfst im Internet, gehst zu Bett. Du bist den ganzen Tag beschäftigt, aber keinen Augenblick lebendig.»

aus einem Interview in der Coopzeitung

Das wundebare an Zeremonien ist, dass wir nichts dazu brauchen als das, was eh schon vorhanden ist. Trotz Coronakrise wird der Frühling kommen und die Sonne hat wieder mehr Kraft, die Blätter und Blüten werden überall spriessen. Mach eine Feier draus. Nimm sie wahr und lächle sie an und singe im Herzen ein Lied zum Dank, dass die Welt da ist und trotz der vielen Sorgen doch so schön ist. Die Zeremonien helfen uns, die Schönheit und Einfachheit des Lebens zu entdecken. Sie führen uns dahin, freundlich mit uns umzugehen und die Schönheit in uns und um uns herum zu erkennen. Sie führen uns weg vom Kopfkino, das immer nur das Bedrohliche und Sorgenvolle sehen – hin zu dem was einfach lebenswert ist, ohne Grund. Das macht uns genügsam und dankbar.
Wie wäre es, wenn wir unser Leben weniger als etwas betrachten , das es zu bewältigen, erfolgreich zu gestalten, zu optomieren gilt, sondern als eine Gabe, die wir feiern können?

3 Anworten auf „Nach dem Fastenbrechen“

Lieber Meinrad
Danke für deine Gedanken nach dem Fastenbrechen.
Ich geniesse auf meinen Spaziergängen die spriessenden Blümchen und Büsche und schöpfe daraus Kraft und Freude. Schicke dir nächstens ein Bild.
Lieber Gruss
Marlies

„Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.“
Friedrich von Humboldt, 1767-1835

Nach dem Fasten:
Das Leben in all seinen Facetten feiern und bewusst geniessen!

wie schmeckt doch ein Apfel köstlich und ein knackiger Salat mit gerösteten Kernen oder eine Karoffel mit Hüttenkäse. Ich erlebe wie sich die Geschmacksnerven während dem Fasten verändert haben, und sensibler geworden sind.
Das lässt mich nachdenken, was ich jetzt an meinen Nahrungsgewohnheiten ändern will. Das ist eine gute Erfahrung die ich machen durfte, auch weil ich mich immer getragen gefühlt habe durch die Mitfastenden.
Der Austausch über ganz verschiedene aktuelle Themen wie Corona und gerade neu auch über das Bistum Chur, hat mit gut getan. Dann habe ich aber auch gelernt, dass ich wegen der Flut von Nachrichten eine „Nachrichten-Hygiene“ pflegen muss. Das weil es wichtig ist, was für eine Einstellung ich habe, zu dem was in der Welt passiert.
Darum bin ich dir Meinrad dankbar für deinen Beitrag des Grönländers Angaangaq Angakkorsuaq.

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