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das Leben ist hart

Vroni Grütter hat meinen letzten Beitrag mit dem Satz kommentiert: «Diese 5 Punkte tun weh und sind gleichzeitig eine Erlösung». Das fasst die Karwoche, in die wir heute mit dem Palmsonntag eintreten, gut zusammen. Und so beenden wir die Fastenzeit mit Wirklichkeiten, die weh tun und doch das Potential haben, etwas zu lösen. Ist dies auch eine Analogie zur Corona Krise: sie tut weh, aber hat ein Potential, Wirklichkeiten in Bewegung zu setzen?

Ich werde die fünf Sätze diese Woche einzeln kommentieren. Und beginne heute mit dem 1. Satz: Das Leben ist hart. Wer hat eigentlich das Gerücht in die Welt gesetzt, das Leben sei leicht? Wem das durch wen oder was auch immer verspochen wird, der hat Erwartungen ans Leben, die nur enttäuscht werden können. Natürlich ist das Leben immer wieder leicht und einfach schön. Gott sei Dank. Aber ehrlich gesagt, spüren wir in diesen Zeiten die Dankbarkeit nicht immer. Im Rückblick sind es oft die eher schwierigen Zeiten, die sich als lebensintensiv erweisen.

Bei aller großen Spiritualität geht es darum, was wir mit unserem Schmerz tun. Schwierige Phasen bewahren uns davor, vor dem notwendigen Kreislauf von Verlust und Erneuerung zu fliehen. Das Christentum feiert das in dieser Woche: Tod und Auferstehung. Auf jeder Ebene des Kosmos wird dieser ewige Zyklus gelebt und erlebt, aber nur der Mensch glaubt, dass er dies vermeiden kann. Vieles in unserer Kultur ist eine Vermeidungstechnik von notwenigen Verwandlungszyklen, zu denen auch die schwierigen Erfahrungen gehören. Vor allem in Mitteleuropa mit unseren vielen Privilegien sind wir in der Lage, sehr naiv zu werden, was Schmerz betrifft. Wir glauben, einfach keine Zeit dafür zu haben. Niemand sucht oder wünscht sich und anderen Leiden. Doch das Leben führt uns notwendig da hinein.  Nur das Leiden und bestimmte Arten von Achtsamkeit führen uns zu wirklich neuen Erfahrungen. Alles andere ist lediglich die Bestätigung alter Erfahrungen. 

Das zentrale Symbol der Karwoche, das Kreuz, mit seiner ziemlich offensichtlichen Botschaft des unvermeidlichen Leidens ist fremd geworden. Wir sind eindeutig auf Aufstieg, Leistung und Vermehrung aus. Wir haben die positive und erlösende Bedeutung unseres eigenen Schmerzes und Leidens übersehen. Es scheint, dass nichts weniger als eine Art Schmerz uns dazu zwingt, uns von unseren kontrollierenden und eigennützigen Illusionen zu lösen. In dieser Zeit des Leidens müssen wir uns fragen, was wir mit unserem Schmerz tun werden. Werden wir anderen die Schuld dafür geben? Werden wir versuchen, ihn zu beheben? Niemand lebt auf dieser Erde ohne ihn. Schmerz ist der große Lehrer, auch wenn es keiner von uns zugeben will. Wenn wir unseren Schmerz nicht transformieren, werden wir ihn in irgendeiner Form weitergeben. Wie können wir sicher sein, dass wir unseren Schmerz nicht auf andere übertragen?

Es ist nicht nur Donald Trump, der diesen Mechanismus praktiziert, indem er zum Beispiel das Corona Virus das chinesische Virus nennt. Wir alle suchen immer wieder die Ursache von Leiden bei anderen. Wann lernen wir, Krisen als notwenige Phasen unserer ganz individuellen und auch kollektiven Entwicklung anzuschauen?

2 Anworten auf „das Leben ist hart“

Ich glaube, dass die Corona Krise uns alle unweigerlich dazu führt, uns zu fragen, was wichtig ist in unserem Leben und dadurch hat diese Zeit, die wir durchstehen müssen, eine pos. Wirkung.

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