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Karsamstag – ich habe nicht die Kontrolle

Der Karsamstag ist ein schwer erträglicher Tag. Wir haben die schrecklichen Bilder im Kopf von sinnlosem Leiden und qualvollem Tod. Die Hoffnungen auf ein besseres Leben wurden mit dem Leichnam begraben. Das Leben ist aus den Fugen geraten, wir ziehen uns traurig und ängstlich zurück und wissen nicht wie es weiter gehen soll.

Für die meisten in unseren Breitengraden ist es nicht der Tod von Jesus, der solche Gefühle hervorruft. Es ist vielmehr die Bedrohung durch das Corona-Virus. Für viele ist es vielleicht das erste Mal in ihrem Leben, dass wir so wenig Kontrolle über unser eigenes Schicksal und das Schicksal derer, die wir lieben, haben. Dies trifft uns umso härter, weil es ein fast unbestreitbarer moralischer Wert ist, die Kontrolle über sein Schicksal, seinen Job oder seine Finanzen zu haben. Der populäre Ausdruck „die Kontrolle über sein Leben übernehmen“ klingt reif und vernünftig. Es ist die grundlegende Botschaft fast aller Selbsthilfebücher.

Und es zeigt sich, dass dies auf praktischer Ebene meist passt. Ja, die Bewältigung der Corona-Krise scheint mit Kontrolle bestens zu funktionieren. Die Frage ist aber, wie die Bilanz ausschaut, wenn wir das Ganze anschauen: Was passiert mit unseren Seelen, mit unseren Emotionen? Was löst die Kontrolle auf dieser Ebene aus?

Spirituelle und mystische Traditionen lehren, dass Kontrolle aufzugeben eine Schule sei, um Vereinigung, Mitgefühl und Verständnis zu lernen. Es ist letztlich eine Schule für das endgültige Loslassen, das wir Tod nennen. Gibt es im Augenblick, da wir mit sozialen Einschränkungen, wirtschaftlicher Zerbrechlichkeit und der Verletzlichkeit unseres eigenen Körpers konfrontiert sind, etwas Tieferes, dem wir uns hingeben können?

Es heisst im christlichen Glaubensbekenntnis, Jesus sei nach seinem Tod hinabgestiegen in das Reich des Todes. Ich meine es lohnt sich, dieser Bewegung zu folgen. Hinabsteigen in die Schichten, die wir nicht bewusst steuern können und dort ausharren und warten, bis sich etwas zeigen will ohne von uns kontrolliert zu werden.

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