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Jeder Abschluss ist gleichzeitig ein Beginn

Ein Beitrag von Melanie Gajowski

Am Ostersonntag um 10 Uhr haben am Walensee in allen Dörfern die Kirchenglocken geläutet. Die wenigen Schiffe auf dem See standen überwiegend still und schienen, genau wie ich, einfach für 15 Minuten innezuhalten und zu lauschen. Stillstand. 

Diese 15 Minuten hatten für mich etwas Heiliges. Ein grosses Geschenk und irgendwie habe ich das Gefühl gehabt, es fühlt sich an wie ein Versprechen. Ein Versprechen von mir an mich selber. Und der Abschluss dieser Fastenzeit.

Ostern hat in den unterschiedlichsten Kulturen die unterschiedlichsten Bedeutungen. Die Essenz dieses Festes ist für mich das Wissen um den Neubeginn. Ob nun aus der christlichen Tradition heraus oder aus einer anderen betrachtet, immer geht es um den Neubeginn. Um die Möglichkeit nach einer Phase, die herausfordernd war, zu wachsen. In der christlichen Tradition feiern wir die Auferstehung. Im Jahreskreis ist es die Rückkehr des Frühlings, des Wachstum, dass zur Fülle führt.

Der Abschluss dieser Fastenzeit 2020 ist für mich etwas beseonderes. Da sich im Leben jedes einzelnen Menschen, den ich kenne, in den letzten 40 Tagen so viel verändert hat, kann ich mir nicht vorstellen, dass es für mich ein Zurück in die alten, nicht immer förderlichen Verhaltensweisen geben kann. Diese Fastenzeit war so eindrücklich, auf so vielen Ebenen einschneidend, da kann es für mich gar kein Zurück zum Normalzustand geben. Mal abgesehen davon, dass ich weder das Leben, welches wir als Gesellschaft in den letzten Jahren geführt haben, für normal halte noch, dass ich wirklich dorthin zurück möchte. In meinem Umfeld höre ich keine Stimmen, die sagen: „Ich will dahin zurück, woher ich komme“. Vielmehr höre ich von den unterschiedlichsten Seiten: „Nun habe ich wieder Zeit für die Dinge und Menschen, die mir wirklich wichtig sind.“ Und viele bemerken auch, wie gut es tut, innezuhalten und sich auf das Wesentliche zu besinnen. 

Viele sehen sich in ihrem privaten Umfeld mit grossen Herausforderungen konfrontiert, seien es kranke Familienangehörige oder Freunde, sei es die Ungewissheit, wie sich das Leben weiterentwickeln wird. Ich erlebe viel Unterstützung und Kreativität, erlebe, wie Menschen wieder beginnen einander zu fragen, was sie gerade brauchen. Ich beobachte, wie wir zurückgeworfen werden auf unsere unmittelbare Gegenwart, auf das, was direkt um uns herum geschieht. Viele kochen wieder mehr. Sie backen ihr Brot wieder selber. Statt zum Supermarkt gehen sie zum Bio-Bauern. Sie denken und handeln wieder lokal und regional. Viele achten wieder mehr auf die Gesundheit.

Meinrad hat in der Karwoche zu verschiedenen Themen in seinen Beiträgen Stellung genommen. Dies nehme ich zum Anlass diese Themen auch nochmals für mich zu reflektieren, um damit diese intensive, unerwartet verlaufende und doch auf so ganz verschiedenen Ebenen nährende Fastenzeit sowie mein Schreiben im Kontext von „Fasten-Nachhaltig 2020“ abzuschliessen.

Wie schon gesagt, werde ich auf meinem Blog SeelenBilderGeschichten weiterschreiben, jedoch das Thema Geld und Fasten als roten Faden fallen lassen und mich mehr dem Thema, des Nichtwissens, dass ich hier kurz behandelt habe, widmen. Wie kann die Chance zum Umdenken, für den Beginn einer neuen verantwortungsvollen Art zu leben, genützt werden? Was bringt die aktuelle Entwicklung, was bringen die Massnahmen rund um Corona mit sich, diesen Fragen möchte ich in Zukunft vertieft nachgehen. 

Auf den Anzeigetafeln der SBB war in den letzten Tagen immer wieder zu lesen: „Wir passen unser Angebot der Grundversorgung an“. Jedes Mal, wenn ich diesen Satz sehe halte ich inne. Wie oft in den letzten Jahren habe ich mir gewünscht, dass die Suffizienz ihren angemessenen Ort in unserem Leben bekommt. Wir haben längst mehr als genug, um allen ein gutes Leben zu ermöglichen. Nur leider ist all das, was es dazu braucht, an vielen Stellen ungerecht verteilt. Ein paar wenige haben von allem viel zu viel, einige haben genug und viele, viele andere haben viel zu wenig. Eine Welt, in der für uns alle, wirklich alle, die Grundversorgung gesichert ist, das ist etwas, wofür ich schon seit Jahren wirke und webe. Dieses Ziel erscheint nun ganz plötzlich viel realistischer und machbarer als noch vor wenigen Wochen.

Mit Beginn dieser Fastenzeit, begann auch die Phase, in der die Massnahmen rund um Corona unser aller Leben bestimmen. Wir verzichteten auf vieles, was wir bisher für selbstverständlich gehalten haben. Viele Dinge in meinem Leben habe ich weit über meine Grundbedürfnisse hinaus genutzt. Nur in der Fastenzeit, wenn ich bewusst Verzicht übe, bemerke ich, dass ich mir von vielem unachtsam mehr nehme, als ich wirklich brauche. Leider wird mir nur in dieser Phase des  Fastens richtig bewusst, wie sehr auch ich, die sich selber für recht nachhaltig und verantwortungsvoll hält, über meine Verhältnisse lebe, was zu Lasten anderer geht.

Indem ich nun die Brücke zu jenen Beiträgen, welche Meinrad in dieser Woche verfasst hat, schlage, schliesse ich diese Fastenzeit für mich ab.

Palmsonntag – das Leben ist hart

In seinem Beitrag „das Leben ist hart“ spricht Meinrad davon, dass wir das Leiden brauchen, um zu lernen. Die schwierigen Phasen im Leben sind jene, die uns wachsen lassen. Am 5. April, dem Erstellungsdatums dieses Beitrags, begann die Karwoche, welche in der christlichen Tradition dem Leidensweg Christi gewidmet ist, eine Woche, die sich wie keine andere im Kirchenjahr mit dem Leiden beschäftigt. 

Schon mehrfach habe ich in Blogbeiträgen meine Vorliebe für vermeintlich altmodische, zum Teil aus unserem täglichen Wortschatz verschwundene Begriffe gezeigt. Beim Leiden fällt mir immer wieder das Wort Hingabe ein. Im Englischen gibt es den Begriff „Surrender“, der aus meiner Sicht noch passender ist. Ich stelle mirin solchen Momenten vor, wie ich mich der Situation hingebe statt zu leiden, mit ihr fliesse, so wie das Wasser im Bach sich seinen Weg sucht. Ich hadere nicht mit der Situation, ich schaue, was sie mich lehren will. Für mich ist das Leben weder hart noch weich. Ich kann es mir schwer oder einfach machen, durch die Art, in welcher ich mit bestimmten Situationen umgehe. Manchmal ist einfaches Lernen angesagt, manchmal braucht es die Herausforderung. In diesem Sinne ist das Leiden für mich eine wichtige Komponente meiner Weiterentwicklung.

Einstieg in die Karwoche – „Ich bin nicht so wichtig“

„Ich bin nicht so wichtig“ ist Meinrads zweiter Beitrag dieser Karwoche. Schon bevor ich ihn lese, denke ich: welch weise Worte. Wichtig ist aus meiner Sicht, zu wissen, wer ich bin, zu wissen, was meine Bedürfnisse sind. Und diese Bedürfnisse dürfen wichtig genommen werden. Vor allen Dingen sollen wir sie aber in den Kontext der Bedürfnisse aller anderen Wesen und der Natur setzen. Wenn wir alle gleich wichtig sind, entsteht Balance, entsteht die Magie des guten Lebens.

Gründonnerstag – Mein Leben dreht sich nicht um mich

Wir, und damit auch unsere Blogbeiträge, nähern uns Ostern, dem Ende und dem Anfang. Ein leichtes Bedauern schwingt mit in diesem Wissen, dass diese gemeinsame Fastenreise nun bald zu Ende ist. So wie Meinrad die Erzählung der Fusswaschung bewegt, so hat sie auch mir immer wieder Impulse gegeben und mich an meinen Grundauftrag im Leben, von und mit dem ganzen Herzen zu dienen, erinnert. Meiner Meinung nach dreht sich unser Leben ums Dienen. Wieder ein altertümliches Wort, eine altmodische Tugend, ein alter Wert, aber noch immer vor allem eine wunderschöne Geste. Dem Leben zu dienen heisst zu wissen, dass alles miteinander verbunden ist. Niemand von uns ist besser oder schlechter. Keine ist höher gestellt oder von niederem Rang. Wir sind alle gleich. Und drehen uns im besten Fall im Tanz namens Leben rhythmisch miteinander und umeinander.

Karfreitag – ich werde sterben

Vor der Auferstehung steht natürlich noch der Tod, das Sterben.

Mir scheint, wir haben den Tod aus dem Leben verbannt. Im Jahr 2017 habe ich einen guten Freund, ungefähr gleichalt wie ich, durch die Krankheit in den Tod begleiten dürfen. Es fühlt sich immer noch an, als wäre er viel zu früh gestorben. Es bleibt die Frage des «Warum er?» und «Warum jetzt?». Gleichzeitig war es für uns alle, die wir an diesem Prozess Teil hatten, die Möglichkeit, den Tod und das Sterben zu thematisieren, zu benennen, die Möglichkeit, uns unsere eigenen Ängste und unsere Beziehung zum Tod anzuschauen. Im Tod liegt auch Heilung. So war es zumindest für mich. 

Meinrad schreibt in diesem Beitrag über die Folgen, die unsere Todesvergessenheit für die aktuelle Gesellschaft hat. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter. Mein Gefühl ist, dass wir den Tod aus dem Leben verdrängen wollten. Das geht nicht – er gehört zu uns! Und dies seit unserer Geburt. 

Corona hat den Tod zurück ins Leben gebracht. In das der einzelnen Menschen, die direkt betroffen sind, schmerzhaft und leidvoll. Aber auch für jene, die keine persönlichen Krankheitsfälle in ihrem Umfeld miterleben müssen, ist der Tod wieder präsent. Wir erinnern uns an unsere eigene Sterblichkeit und an die Verletzlichkeit.

Wer ein wenig mehr Zeit mit dem Tod verbringen möchte, dem seien als Einstieg die «Fünf Phasen des Sterbens» von Elisabeth Kübler-Ross ans Herz gelegt. Auch Vergleiche mit der Corona-Krise sind in diesem Zusammenhang erlaubt.

Karsamstag – ich habe nicht die Kontrolle

Ja, ich glaube, eine der wichtigsten Erkenntnisse im Leben ist genau dies: Wir müssen dem Leben vertrauen, denn wir haben keine Kontrolle. Dies wird uns in so vielen Situationen immer wieder aufgezeigt. «Und erstens kommt es anders und zweitens als man denkt» soll schon Wilhelm Busch gesagt haben. Was mir der Karsamstag und diese gesamte Woche vor allen Dingen zeigte, war, wie wichtig Vertrauen in unserem Leben ist. Vertrauen schenken, Vertrauen geschenkt bekommen, und natürlich auch der achtsame Umgang mit diesem Geschenk. Kontrolle aufgeben und Vertrauen schenken scheinen mir zwei der Schlüsselfähigkeiten, die uns die Geschichte von Jesus und auch die Geschichte unseres eigenen Lebens lehren.

Ostern – Leben ist mehr als Überleben

Wir sind am Ende angekommen, also wieder am Anfang. Wie eingangs gesagt, feiern wir mit Ostern das Wissen um den Neubeginn. Der Kreislauf startet erneut. Es ist beruhigend zu wissen, dass wir immer wieder entscheiden können, neu zu beginnen. Es ist beruhigend zu wissen, dass wir uns immer wieder für das Leben entscheiden können. 

Ostern 2020 mit all den unerwarteten Einschränkungen und Impulsen, unser Leben zu hinterfragen, gibt uns die Möglichkeit darüber nachzudenken, was Leben für uns bedeutet. Es gibt uns die Möglichkeit, darüber nachzudenken, was für uns ganz persönlich der Unterschied zwischen Leben und Überleben sein mag.

Ich wünsche uns allen ein Leben in Verbindung mit allem und allen. Ein Leben in welchem wir die Bedürfnisse der Natur und anderer Menschen genauso wichtig nehmen und respektieren, wie unsere eigenen.

Ein Leben, das mehr ist als nur zu überleben.

Diese Fastenzeit, die ich hiermit beende, hat mir unerwartet viel geschenkt und mich durch eine viel intensivere Zeit des Verzichts geschickt, als ich erwartet habe. 

Ich bin zurück auf meine Grundbedürfnisse geworfen und bemerke, wie gut es mir tut, all den Ballast hinter mir zu lassen. Ich freue mich auf die Phase, die nun beginnt, auch wenn ich jetzt noch keine Ahnung habe, was da alles auf uns zukommt. 

Danke an alle, die mich durch diese Wochen begleitet haben und im Voraus herzlichen Dank an alle, die nun die Zukunft, welche uns erwartet, aus der Gegenwart heraus, achtsam, respektvoll, liebevoll und freudvoll gestalten.

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Was haben die Bäume mit Geldfasten zu tun?

Ein Beitrag von Melanie Gajowski

Spontane Antwort: Je tiefer ich mich in die Auseinandersetzung mit dem Geldfasten begab, desto weniger konnte ich den Wald vor lauter Bäumen sehen. Sprichwörtlich und wirklich. Ich gehe tiefer und tiefer in die einzelnen Themen und der Gesamtüberblick scheint mir an manchen Stellen verloren zu gehen. Das Thema Geldfasten tritt in den Hintergrund. Andere Fragen und Themen wie der Coronavirus und die Weltwirtschaft nehmen sich fast unbemerkt ihren Raum. Dies vielleicht, weil einfach überall Geld involviert ist. Hinzu kommt, dass durch all die Massnahmen rund um Corona nun plötzlich vieles ganz anders ist, als ich es noch vor ein paar Wochen dachte. Die Angst vor Krankheit und Tod scheint ganz plötzlich viel relevanter, als der Erhalt unserer Geldflüsse und der Wirtschaft. 

Vieles, was ich längst geahnt hatte, wird immer mehr durch Selbstbeobachtung und Erkenntnisse bestätigt. Mein ganz persönliches Verhältnis zum Geld, mein Umgang mit Geld bestimmt fast unmerklich mein gesamtes Leben und damit beeinflusse ich auch das Leben von anderen. Meine Geldentscheidungen führen an anderen Stellen in der Welt zu verschmutzten Flüssen, zu Hunger und Leid.

Und was haben die Bäume damit zu tun?

Ich lese gerade das Buch «Die geheime Sprache der Bäume» von Erwin Thoma. Im Januar 2020 hatte ich das Glück, mit ihm ein paar Tage verbringen und seine Weisheit und sein Engagement für unsere Natur und die Bäume erleben zu dürfen. Über den Nutzen von Bäumen und den achtsamen Umgang mit ihnen möchte ich hier gar nicht schreiben. Hierzu kann sich jeder bei Erwin ThomaErnst Zürcher aber auch der mittels des Films «Das Geheimnis der Bäume» von Luc Jacquet und vielen anderen Quellen selber ein Bild machen.

Für mich ist ein Absatz aus dem Buch von Erwin Thoma besonders Augen öffnend gewesen und hat bei mir sehr viel ausgelöst:

Die Bäume verfügen über eine natürliche Intelligenz, welche sie in jedem Moment anwenden, um perfekt auf die äusseren Bedingungen zu reagieren. Bei Sturm werden mehr starke Zellen und Strukturen auf der Seite des Baumes erschaffen, wo der Druck am grössten ist. Bei Trockenheit wird mehr Wasser gespeichert, die Versorgung von nicht lebensnotwendigen Teilen des Baumes wird reduziert.

Ein Baum lebt in einem vollständigen Kreislauf – vom Erschaffen bis zum Vergehen. Alles wird genutzt, sogar die Asche vom Holz, welche beim Feuern unserer Öfen entsteht, kann uns als hochwertiger Dünger dienen.

Diesem Bild hat Erwin Thoma die Tätigkeit eines Statikers gegenübergestellt, der ein Haus, eine Brücke oder etwas anderes Langlebiges bauen soll. Der Statiker, die Statikerin muss schon vorher alles berechnen, für alle Eventualitäten Vorbereitungen treffen.

Der mögliche Sturm, das Wasser und alle weiteren Ausseneinflüsse müssen berechnet sein.

Schnell wird mir klar, dass wir in vielen Situationen, in welchen es um unsere Sicherheit geht, besonders im Umgang mit Geld, wie Statikerinnen handeln anstatt uns die intelligenten und lernfähigen Bäume als Beispiel zu nehmen.

Was wäre, wenn wir mit unseren Geldentscheidungen ähnlich situativ umgehen würden, wie die Bäume mit den Situationen, die von aussen an sie herangetragen werden? 

Geld ist ein Gut, welches aufgrund der Eigenschaften wunderbar situativ genutzt werden könnte. Wie die Säfte des Baumes, sollte es im stetigen Fluss sein, um genau dort zu den Menschen zu gelangen, wo es gerade benötigt wird. 

Mein Verzicht auf Geld ist ein Gewinn für eine andere Person an einer anderen Stelle. Aber nur, wenn das Geld im Fluss ist. 

Wenn ich weniger für mich ausgebe, kann jemand anderes den übrigen Betrag nutzen. Wenn ich weniger arbeite, ist im Unternehmen Geld vorhanden, um eine weitere Person einzustellen. Eine Bedingung dafür ist, dass das Geld stetig und bedarfsorientiert fliesst, wie das Wasser und die Nährstoffe im Baum.

Jetzt könnte natürlich der Einwurf kommen, dass die Menschen, die das Geld bekommen, damit etwas machen, was ich mir nicht wünsche. Dann würde mein Fasten einfach nur dazu führen, dass jemand anderes die Billig-Jeans, das Wegwerfprodukt kauft oder eine andere Konsumentscheidung trifft, die ich selber nie treffen würde.

Theoretisch kann das sein, aber hier ist die Selbstverantwortung gefragt. Wieder gibt es eine Parallele zum Baum: Im Baum gibt es keine zentrale Schaltstelle, jede Zelle arbeitet eigenverantwortlich. Der Nutzen des Ganzen, liegt im ureigenen Interesse aller Bestandteile des Baumes.

Ich entscheide, wohin ich das Geld gebe, welches ich selber nicht brauche. Ich habe persönlich schon vielen Menschen mit ganz kleinen Beträgen unterstützt, welche in ihrem Feld eine grosse Wirkung erzielt haben. Und ich durfte sogar grössere Beträge verwenden, um Startups für einen guten Zweck zu unterstützen. Die moderne Technik unterstützt uns hier, das zu fördern, was wir ganz persönlich unterstützen wollen (KIVAWemakeitGebana: Bauern suchen Kunden und viele mehr).

Die Ausrede «Ich weiss nicht, wohin mein Geld geht» zählt nicht mehr. Um in meinem ganz eigenen Feld zu bleiben: Die verantwortungsvollen Banken wie ABSFreie GemeinschaftsbankGLS oder auch die Global Alliance for Banking on Values und die FEBEA leisten hier einen wirkungsvollen Beitrag.

Geldfasten kann aber auch heissen, weniger arbeiten. Stimmt hier das Argument, dass ich fremdbestimmt bin und damit nicht selber und situativ über meine Geldflüsse entscheiden kann? Nein, keiner zwingt mich bei einem Arbeitgeber zu arbeiten, der zwar hohe Gehälter bezahlt, aber dies auf Kosten der Umwelt und der Gesundheit tut. Und auch im Job selber habe ich Spielraum. Ich selber arbeite derzeit im Jobsharing und hoffe, dass dieses auch anderen zur Inspiration dient. Jeder und jede von uns befindet sich in ganz unterschiedlichen Lebens- und Berufssituationen und wie bei einem Baum sind auch die Aussenbedingungen bei uns ganz individuell. Daraus folgt, dass es kein Patentrezept gibt, welches bei allen Menschen anwendbar wäre. Das heisst aber auch, dass wir die Chance haben, ganz individuell und auf uns persönlich zugeschnittene Entscheidungen zu treffen. 

Die Bäume lehren uns ein Reagieren auf Ausseneinflüsse aus der Situation heraus und ähnlich stelle ich mir ein gutes Verhältnis zum Geld und den Einnahmen und Ausgaben vor.

Das Geld ist unser ganz persönliches Werkzeug, es den Bäumen nachzumachen.

Für das Entstehen eines manchmal bis zu 50 Meter hohen Baumes braucht es einen geschützten Platz, Sonnenlicht, Humus, Wasser und einen nur Millimeter grossen Samen – mehr nicht.

Der Gedanke als Mensch von den Bäumen zu lernen, wäre es Wert, weiterverfolgt zu werden. Doch führt dieser zu weit weg vom Geldfasten, daher lasse ich ihn ziehen.

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Ich weiss, dass ich nicht weiss…

Ein Beitrag von Melanie Gajowski

Dieses Zitat findet sich bei Platon und wird Sokrates zugeschrieben.

Ganz kurz und subjektiv zusammengefasst geht es für mich in diesem Zitat darum, zu erkennen, dass vieles von unserem vermeintlichen Wissen Scheinwissen ist. 

Wir glauben zu wissen und doch kennen wir häufig nur einen Teil der Fakten, ein Puzzlestück, einen Ausschnitt, herausgerissen aus dem Gesamtkontext. Und daraus bildet sich dann unser Scheinwissen. Haben wir dieses für uns erkannt, ist der erste Schritt getan und wir können uns bewusst damit beschäftigen, dass wir nicht wissen. Dieses Beschäftigen mit dem Nichtwissen und vor allen Dingen das Frieden schliessen mit dem Nichtwissen ist es, was uns erlaubt zur Ruhe zu kommen. Dazu braucht es die Erkenntnis, dass Nichtwissen nicht mit Handlungsunfähigkeit gleichzusetzen ist – im Gegenteil. Das Nichtwissen befähigt uns aus meiner Sicht erst dazu, weise zu handeln. Im Nichtwissen gestehen wir ein, dass wir die Lösung für ein Problem nicht kennen und bauen auf unsere Erfahrungen und Fähigkeiten, um eine neue Lösung zu entwickeln, weil alle Versuche, einfach die alten Lösungen über das Problem zu stülpen, gescheitert sind.

Damit bin ich wieder bei meiner Hauptabsicht, bei dem Hauptgrund, warum ich faste. Ich faste um meinen körperlichen Funktionen, meinen Gedanken und Handlungen einen Neustart zu ermöglichen. Nach dem Fasten kann ich Gewohnheiten überprüfen und ändern, die sich vorher unbewusst eingespielt haben.

Eine Woche ist es bereits her, seitdem ich das Fasten gebrochen habe und wieder Nahrung zu mir nehme. Seit meinem Geburtstag habe ich keinen Blogbeitrag mehr begonnen und das aus ganz unterschiedlichen Gründen. 

Zum einen haben mich verständlicher Weise die Massnahmen des Bundesrates vom 20. März beruflich sehr beschäftigt, zum anderen brauchte ich auch meine eigene Zeit, mich dieser neuen Situation anzunähern, meinen eigenen Rhythmus und meinen eigenen Platz in dieser Situation zu finden. Mein Ziel war und ist es, die guten Impulse des Fastens und all mein Lernen in dieser Zeit mitzunehmen und anzuwenden – in dieser Zeit, die gerade neu beginnt, weil die alte so plötzlich geendet hat.

Zum dritten werden derzeit so viele Worte zur Coronakrise gesagt und geschrieben, so viele Wahrheiten und Fakten verbreitet, dass ich nicht das Bedürfnis hatte, auch noch dazu beizutragen.


Ich weiss, dass ich nicht weiss…

Ich habe keine Ahnung, ob die getroffenen Massnahmen die richtigen sind, ob die Zahlen stimmen. Ich kann nicht beurteilen, welche medizinische Aussage zum Krisenverlauf der Wahrheit am nächsten kommt.

Ich weiss, wie es sich anfühlt, kranke Menschen zu begleiten, die mir und meinen Herzen sehr nahe sind. Ich weiss, was es heisst, sich von Menschen zu verabschieden, die gefühlt viel zu früh sterben. Am letzten Sonntag ist jemand aus meinem Umfeld im Alter von 53 Jahren gestorben, nicht am Coronavirus und auch nicht völlig unerwartet, aber viel zu früh. Diese Person wird eine Lücke hinterlassen. Diese Person wird vielen Menschen fehlen. 

Ich weiss also, welche Schmerzen für mich mit dem Tod von Menschen, mit dem Akzeptieren von Situationen, die ich nicht ändern kann, verbunden sind.

Mein Mitgefühl ist mit all jenen Menschen, die auf die unterschiedlichste Weise von der Coronakrise durch Krankheit, Tod, Jobverlust, Unsicherheit oder anderen Ängsten betroffen sind. Jeder und jede von uns wird jetzt auf ganz unterschiedliche Weise mit den eigenen Ängsten und Sorgen konfrontiert.

Unbewusst ist uns allen bereits jetzt klar, ein Zurück zum Normalzustand wird es nicht geben. Denn der Normalzustand, war gar keiner. 

Es war ein Autopilot, der uns erst hierhin gebracht hat. Immer mehr Konsum, immer mehr Stress, massloses Leben und Handeln hat unseren Alltag bestimmt. Wir nehmen chemisch bearbeitete und industriell verarbeitete Nahrung zu uns, die nicht mehr nährt und erschaffen uns damit ein Immunsystem, welches uns nicht mehr schützt und sich mit Anfälligkeiten für Krankheiten oder auch durch Autoimmunkrankheiten bemerkbar macht. Es gibt wahrscheinlich nicht die eine Ursache für die Krise, in der wir vor der Coronakrise bereits gesteckt haben, es ist ein Cocktail an Ursachen, welcher dazu geführt hat.

Wir haben nun als Gesellschaft die grosse Chance, ein neues «Normal» zu definieren, eines welches die Würde von Mensch, Natur und Gesellschaft in den Mittelpunkt stellt ( siehe meinen letzten Beitrag «Was hat Würde mit Fasten zu tun» ).

Meine kommenden Beiträge werden von diesen Chancen handeln. Und vor allen Dingen werden sie vom Nichtwissen handeln und davon, dass das Nichtwissen uns zur notwendigen Weisheit führen wird, aus dieser Krise zu lernen.

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Was hat Würde mit Fasten zu tun?

Ein Beitrag von Melanie Gajowski

Würde – schon wieder so ein altehrwürdiges Wort, welches es mir angetan hat. Würde ist der Wert, der einem Menschen innewohnt, das Bewusstsein des eigenen Wertes (siehe Duden). Die Würde des Menschen ist in diversen Grundgesetzen verankert und wie es heisst, unantastbar.

Doch wie gehen wir selber mit unserer Würde um? Welchen Wert geben wir ihr? Welchen Wert geben wir ihr in Bezug auf Geld.

«Es gibt uns Menschen eine neue Würde, wenn wir uns in unserem Konsum- und Reiseverhalten weiterentwickeln» schrieb Julia Medugno am 15. März 2020 in ihrem Blogbeitrag zu dieser Fastenwoche, ein Satz der mich inspiriert hat, über die Würde und ihre Verbindung zum Fasten nachzudenken.

Es gibt viele Handlungen, die wir als Menschen noch immer regelmässig durchführen, wie das Shopping am Samstag, die Jagd nach den technischen Neuheiten und das Mitgehen mit jedem Modetrend, die aus meiner Sicht nicht wirklich nährend sind. In Sachen Shopping muss ich gar kein Geld fasten, denn meine Geldflüsse gehen nur in diese Richtung, wenn ich wirklich etwas benötige. Häufig denke ich darüber nach, ob ich das Kleidungstück oder ein neues Smartphone wirklich brauche. Und fast gleichzeitig denke ich dann auch noch darüber nach, wenn ich etwas ersetze, was eigentlich noch funktionsfähig ist, wem ich das zu ersetzende Stück weitergeben kann. Ich habe schon auf Käufe verzichtet, weil mir niemand einfiel, dem ich das gebrauchte, das alte Stück weitergeben konnte.

Ein würdevolles Leben hat für mich sehr viel damit zu tun, dass meine Handlungen von anderen Menschen und von mir selber als angenehm, achtsam und weise angesehen werden. Dies gilt, weil mir das Thema Geld so wichtig ist, besonders für meine Geldentscheidungen.

Sich selber durch den achtsamen Umgang mit Geld eine neue Würde zu geben ist eine schöne Vorstellung, insbesondere, weil ja Würde so viel mit Wert zu tun hat. Ich könnte jetzt damit beginnen, jede Menge Geldhandlungen von verschiedensten Unternehmen, Institutionen oder einzelnen Menschen aufzuzählen, welche ich persönlich als so gar nicht würdevoll oder wertvoll bezeichnen würde. Dies tue ich jedoch bewusst nicht. Viel schöner, nährender und freudvoller finde ich es Ideen zu entwickeln, die meinem Handeln mehr Würde geben. Hier sind meiner Phantasie keine Grenzen gesetzt. Und ich merke gerade: Mein aktuelles Fasten muss ich ja auch nach dem Fastenbrechen am kommenden Samstag nicht vollständig aufgegeben. Ich kann mir weiterhin Gutes tun, indem ich massvoll und verantwortungsvoll konsumiere und teile und weitergebe, was ich nicht brauche.

Der Bundesrat hat am Montag 16. März erweiterte Massnahmen für die Eindämmung der Coronapandemie beschlossen. Die Schliessung von Läden und Gaststätten sowie das Verbot von Veranstaltungen wird viele Selbständige und kleine Unternehmen an den Rand ihrer Existenz bringen. Sind wir bereit, hier zu teilen? Vielleicht mag es so weit gehen, dass wir, die wir noch regelmässige und gute Gehälter beziehen und Arbeitgeber haben, die kulante Regelungen finden, in den kommenden Monaten etwas abgeben müssen und uns in Genügsamkeit und Masshalten üben dürfen, damit alle weiterhin gut leben können. Ich bin gerne bereit, hier beizutragen. Für die Menschen in der Schweiz: Es gibt bereits eine Onlinepetition, die ihr unterscheiben könnt, wenn ihr wollt. Hier der Link.

Die positiven Auswirkungen der Coronakrise sollten mit dem Ende der vom Bundesrat erlassenen Massnahmen nicht einfach in Vergessenheit geraten. Wahrscheinlich wiederhole ich mich, aber es ist mir einfach wichtig. Diese Krise ist für uns alle eine Chance. Durchatmen, langsamer werden, sich wieder auf das Wesentliche besinnen, mehr Zeit mit der Familie, klares Wasser in Venedig, Delphine, die wieder zurück an die Strände kommen, all dies sind jetzt schon sichtbare Wirkungen der weltweiten Massnahmen.

Diese sollten es uns wert sein, darüber nachzudenken, ob wir nicht auf Dauer unseren Konsum und den Lebensrhythmus demjenigen der Natur anpassen. Wir brauchen viel weniger als wir manchmal denken, das Fasten beweist mir dies immer wieder.

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Genügsamkeit

Ein Beitrag von Melanie Gajowski

Zu Beginn der Fastenzeit ist mir das Wort Genügsamkeit in einem Artikel zum Thema Geld aufgefallen. Das Wort und seine Bedeutung begleiten mich seitdem. Ich wollte schon länger darüber schreiben. Heute beginne ich damit.

Es ist schon seltsam, wie sehr sich das Thema «Geld und Fasten», welches ich mir für diese Fastenwoche ausgesucht habe, in den aktuellen Ereignissen rund um den Globus wiederspiegelt. Ich lese von Hamsterkäufen, von Ländern, die ihre Grenzen schliessen, mit der Begründung, dass Grenzgänger nicht die Regale der Lebensmittelgeschäfte im Nachbarland leer kaufen.

Mit Genügsamkeit hat dies nur wenig zu tun. Synonyme zu Genügsamkeit sind zum Beispiel: Bescheidenheit, Dankbarkeit, Einfachheit, Enthaltsamkeit. Genügsam sein bedeutet: Mit wenig zufrieden zu sein, so sagt der Duden. Ansonsten finde ich bei der Suche im Netz nicht sonderlich viel zur Genügsamkeit. Sie scheint veraltet, nicht attraktiv. 

Bescheidenheit ist nicht gefragt, unsere westliche Konsumgesellschaft spiegelt es uns wider,. Wir leeren die Regale, damit es uns auch weiter gutgeht. 

Die Fragen: «Was brauchen die anderen?», «Was nehme ich jemandem anders weg, wenn ich mehr kaufe, als ich brauche?» scheinen von jenen, die ihre Einkaufwägen mehr als voll laden, nicht gestellt zu werden.

Martin Booms von der Akademie für Sozialethik und Öffentliche Kultur in Bonn fasst es in seinem Artikel «Corona und die Werte: Warum es um viel mehr geht als nur um eine gesundheitliche Krise» aus meiner Sicht wunderbar zusammen: Es geht um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Gemeinwohl und Eigeninteresse. 

(…) Denn die Corona-Epidemie trifft – gerade in den westlich-liberalen Gesellschaften – auf einen moralisch und politisch schwer vorerkrankten Patienten, der bereits vorher an allen Symptomen litt, die die gegenwärtige Epidemie nun exponentiell hervortreibt: einem hohen Mass an Orientierungslosigkeit und Verunsicherung, gepaart mit Vertrauensverlust gegenüber etablierten politischen und wirtschaftlichen Strukturen; einem durchgreifenden Hang zur Dystopie, dem der Zukunftshorizont in immer düstereren Farben erscheint und der den klassischen Fortschrittsoptimismus des liberalen Weltverständnisses freiheitsbedrohlich in sein Gegenteil verkehrt; einer Erosion des Konzepts objektiver Wahrheit, die noch den letzten festen Boden allgemein anerkannter Tatsachen ins Wanken gebracht hat. (…)

NZZ Online Martin Booms 14.03.2020, 05.30 Uhr (Link)

Wir haben das Vertrauen in uns, in die Gesellschaft, die Politik, die Wirtschaft, ja so wie es scheint in alles verloren. Da ist es dann auch nicht verwunderlich, dass wir mit Tugenden wie Genügsamkeit, Bescheidenheit und Enthaltsamkeit so wenig anfangen können. 

Im Fasten erlebe ich immer wieder, wie wenig ich brauche. Und das, was ich nicht brauche, können ja andere benutzen. Ein Kreislauf, der mich mehr nährt, als das Wissen darum, dass ich mit meinen gehamsterten Vorräten ein paar Wochen länger auskomme, als meine Nachbarn. Ich konzentriere mich wieder auf das Wesentliche und merke, was ich alles nicht brauche. 

Für mich ist Genügsamkeit ein Luxus. Ich geniesse es sehr, wieder zu erkennen, wie wenig für ein gutes Leben notwendig ist. Und auch zu erkennen, dass es kein Leiden, sondern ein Gewinn ist, sich allem Überflüssigen ganz bewusst zu entledigen und dem Wesentlichen Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken.

Was mich besonders nährt in dieser Zeit ohne Nahrung ist, dass ich mir wieder bewusst mache, dass meine Genügsamkeit bei jemand anderem das Gefühl von Fülle auslösen kann. Das, was ich nicht nutze oder esse, kann jemand anderes gebrauchen. Wenn wir dies nicht nur in unserem direkten Umfeld praktizieren, sondern uns bewusst machen, dass die Wirkung auf der globalen Ebene noch viel, viel grösser ist, fast unvorstellbar, was können wir dann alles gemeinsam bewirken. Eine Welt ohne Hunger ist möglich – und das Umverteilen von Geld und anderen Ressourcen durch die eigene Genügsamkeit, nicht nur in Fasten oder Krisenzeiten, sondern auch im ganz alltäglichen Leben, ist die eigentliche Fülle. 

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Was ist mir meine Geldfreiheit und ein gutes Leben wert?

Ein Beitrag von Melanie Gajowski

Mit dieser Frage habe ich am Samstag meinen Blogeintrag beendet. Und damit mache ich heute weiter.

Wer mich kennt, weiss, dass Geld für mich etwas sehr Schönes ist, aber auch etwas, dass ich, obwohl ich mich täglich damit beschäftige, vielleicht nie wirklich verstehen werde. 

Für diese Blogreihe in der Fastenzeit habe ich einige meiner alten Bücher und Aufzeichnungen wieder hervorgeholt und darin nach Antworten auf meine Fragen gesucht.

Heute Morgen entdeckte ich in einem Brand Eins Magazin aus dem Jahr 2018 den Artikel «Drei-Rubel-Russland» . Darin wird erzählt, welchen unterschiedlich hohen Wert der gleiche Rubel in Moskau und in einem Dorf irgendwo in Russland hat. Und er erzählt davon, wie wenig es die Dorfbewohner tangiert, ob es da draussen in der Welt Wirtschaftskrisen oder Börsencrashs gibt. Geld spielt bei Ihnen eine untergeordnete Rolle, ihr Leben wird durch andere Dinge bestimmt. Nach Moskau fahren sie nur gelegentlich, um für einige Wochen zu arbeiten, um die Mittel zu generieren, die sie brauchen, um bestimmte Sachen zu kaufen.

An vielen Stellen im Magazin wird betont, dass Geld eine Glaubenssache, ein Versprechen ist. Wir müssen daran glauben, dass uns die Beträge, welche unsere Konten ausweisen oder auch das Geld, welches sich in unserem Portemonnaie befindet, an einer anderen Stelle getauscht werden kann. 

Im Editorial der Ausgabe ist zu lesen:  «Was gibt es über Geld schon gross zu sagen? Die einen haben zu viel davon, die anderen zu wenig. Es kann Gutes und Schlechtes bewirken, macht nicht glücklich und steckt hinter den meisten Verbrechen.»

Das stimmt irgendwie, und doch ist scheinbar ja noch so viel mehr dahinter. Viele von uns lassen ihr Leben vom Geld bestimmen. «Ich muss Geld verdienen, um gut zu leben», «Ich muss Geld verdienen, um meine Hypothek abzubezahlen», «Ich muss Geld verdienen, um meine Familie zu versorgen», diese Sätze höre ich immer wieder in Gesprächen und in den meisten Fällen kommt direkt anschliessend die Aussage, dass ihr Job ihnen überhaupt nicht gefällt, dass sie mit ihren Kollegen nicht klar kommen und gar nicht selten macht jemand die Aussage, dass der Job ihn oder sie krank macht.

Irgendwas läuft da falsch, denn viele leben ja gar nicht gut, trotzdem sie gutes Geld verdienen. Sie verdienen zwar Geld, haben schöne Autos, schöne Häuser und all das, was ihnen sonst noch begehrenswert erscheint, aber sie verbringen den Grossteil des Tages mit Menschen, mit denen sie nicht sein wollen und an Orten, die ihnen gar nicht gefallen. Warum nehmen sich diese Menschen nicht die Freiheit, soviel zu arbeiten, wie sie wollen und dies an einem Ort, der ihnen guttut? 

Ein wichtiger Grund ist bestimmt, die Angst, dass sie ihre Existenz, ihre Grundbedürfnisse wie Nahrung, Bildung und Gesundheit nicht abdecken können, falls sie ein anderes Leben starten. Diese Angst mag zum Teil berechtigt sein und hier ist ein ganz klarer Auftrag an unsere Politiker, zeitgemässe Lösungen zu finden. Die Einführung eines bedingungsloses Grundeinkommens könnte ein hilfreicher Schritt sein, um der Geldfreiheit näher zu kommen.

Nochmals zur Klarstellung: Geldfreiheit bedeutet für mich nicht, dass ich ohne Geld leben möchte und dass ich das Geld als Tauschmittel an sich in Frage stelle. Im Gegenteil, Geld soll, kann, darf und muss vielleicht sogar ein wichtiger Bestandteil unserer Wirtschaft sein. Ich möchte einfach in Freiheit entscheiden, was das Geld mit mir macht und was ich mit dem Geld mache.

Warum lassen wir das Geld bestimmen, wie unser Leben verläuft, indem wir Jobs annehmen, die uns schaden, die schädlich für die Umwelt sind, die schädlich sind für andere Menschen?

Bei jeder Person, die bisher zu mir in die Beratung zum Thema Geld kam, gab es Alternativen zum Status quo. Ich gebe zu, diese hatten in der Regel auch eine Einschränkung des Konsumverhaltens zur Folge, doch im Grunde haben die Veränderungen immer den Weg zu einem lebenswerteren und verantwortungsvolleren Leben aufgezeigt. 

Grundvoraussetzung zur Erlangung der Geldfreiheit ist: Wir müssen unsere Bedürfnisse kennenlernen.

Fasten in jeder Form ist hilfreich, uns daran zu erinnern, was wir wirklich brauchen. Vielleicht ist es ein Zufall oder auch nicht? Die Massnahmen in Verbindung mit dem Coronavirus fallen genau in die Fastenzeit. Die Wirkung ist die gleiche, wir fokussieren uns auf das, was uns wichtig ist. Ich habe von einigen Eltern gehört, die nun mit den Kindern den Garten bepflanzen, mit Blumen und auch mit Gemüse und Erde auf den Balkon tragen für die Tomatenpflanzen. Wir werden wieder kreativ, wir sorgen wieder für Nahrung, von der wir wissen, woher sie kommt. Damit nähern wir uns wieder unseren wirklichen Bedürfnissen. Im Fasten gibt es viel zusätzliche Zeit für mich, denn ich muss nicht kochen, ich fahre nicht ins Büro. Diese Zeit nutze ich, zum Schreiben, Lesen und um mit Freunden und in der Natur zu sein.

Das ist Freiheit für mich. Das ist ein gutes Leben für mich. Und dieses ist mir sehr viel wert. Es gibt vieles, worauf ich auch ausserhalb der Fastenzeit verzichte. Ich konsumiere bewusst und wenig, aber dafür hochwertig und gesund. Ich reise nur gelegentlich, wir musizieren, statt in Konzerte zu gehen. Aber ist das wirklich Verzicht? Für mich nicht, denn ich weiss, dass ich viele Dinge gar nicht brauche, also fehlen sie auch nicht. Und weil ich sie nicht brauche, muss ich auch kein Geld generieren, um sie zu kaufen. Dies bedeutet, dass ich mir aussuchen kann, wieviel und wo ich arbeiten möchte. 

Warum tun dies nicht mehr Menschen? Warum sehen so wenige, wie viel Macht wir dem Geld geben und wie wenig das nötig wäre?

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Wie gelingt es positive Veränderungen auch langfristig beizubehalten?

Ein Beitrag von Melanie Gajowski

Die Coronakrise hat auch uns zu Veränderungen im Ablauf der Fastenwoche veranlasst. Wir haben entschieden, uns nicht im öffentlichen Café «Jenseits im Viadukt» zu treffen, sondern nur in der Altstadt im Raum an der Trittligasse 16 Annex und dies an den entsprechenden Tagen jeweils um 16 Uhr, das nächste Mal also heute um 16 Uhr und dann am Dienstag, 17. März 2020.

Am Samstag zu Fastenbeginn haben wir vor allen Dingen über zwei Themen diskutiert: Wie bringen wir die positiven Entwicklungen, welche die Coronakrise für die Gesellschaft und auch für das Klima bringt, weiter in die Zukunft?  

Im Laufe der Diskussion kam dabei die Kirche ins Spiel. Brauchen wir überhaupt noch die Institution Kirche und wenn ja wozu? Da ich für diese Woche in meinen Blogbeiträgen aber beim Geld und beim Fasten bleiben möchte, fokussiere ich mich auf die erste Frage.

Ab morgen, Montag, 16. März 2020 bleiben die Schulen zunächst einmal bis 4. April geschlossen. Für einige Schulen ist bereits klar, dass es bis zum 30. April keinen Unterricht geben wird. In Restaurants dürfen sich zeitgleich nicht mehr als 50 Personen in Räumen aufhalten. Veranstaltungen mit über 100 Personen sind bis Ende April nicht mehr erlaubt.

Das Leben verlangsamt sich – ungeplant, von aussen bestimmt. Gleichzeitig ist dies ja auch genau das, was ich für mich mit der Fastenwoche bezwecke. Auch im Café Jenseits, in welchem wir uns am Samstag für den Start getroffen hatten, blieben alle Plätze um uns herum leer. 

Gibt es dem Verhängnis überhaupt etwas Positives abzugewinnen? Viele Hoteliers, Restaurantbesitzer und -pächter, Eventveranstalter und unzählige andere Selbständige werden diese Zeit noch lange in Erinnerung behalten, und dies bestimmt nicht positiv. Ihre Existenzen hängen davon ab, dass jemand vorbeikommt und konsumiert, Geld in den Fluss bringt.


Doch brauchen wir wirklich all diese Veranstaltungen? Braucht es jede Woche Orte, an welchen sich über 1000 Menschen zusammenfinden, um sich in eine andere Welt zu beamen? Brauchen wir den alltäglichen, den sonntäglichen Gang ins Restaurant?

Genau das, was ich mir vom Fasten wünsche, passiert gerade auf der Ebene des täglichen Lebens – viele Dinge, die uns lieb geworden sind, fallen ganz plötzlich weg. Zugegeben, mein Fasten ist freiwillig und die Massnahmen zur Eindämmung der Coronakrise werden uns vom Staat vorgeschrieben. Trotzdem ist die Wirkung ähnlich. Wir erkennen, was uns wirklich wichtig ist. Freunde beginnen achtsam bei Treffen einander zu fragen, welche Form der Begrüssung sie sich wünschen. Verabredungen werden so getroffen, dass die Sicherheitsbedürfnisse der einzelnen aber auch das Risiko der möglichen Gefährdung von anderen berücksichtigt werden. Wir fragen einander wieder, was wir brauchen. Wir nehmen Rücksicht auf die Bedürfnisse der anderen. Endlich wieder! 

Die Frage, die nun dringend wird, lautet: Wie können wir diese Achtsamkeit auch bewahren, wenn die Krankheitswelle wieder vorbei ist? 

Das Bewahren gilt natürlich auch für all die Entwicklungen, die sich positiv auf die Natur und unseren Alltag auswirken. Die reduziert arbeitenden Fabriken führen zu besserer Luft, Flugzeuge bleiben am Boden und reduzieren damit den CO2-Ausstoss. Auch nicht zu unterschätzen ist, dass sich die Pendler auf unterschiedliche Züge verteilen und es somit wieder möglich ist, auch in Stosszeiten einen Sitzplatz zu bekommen. Wir fragen uns bewusst «Wie und wann wollen wir reisen?» und dies für den Berufsalltag genauso wie für den Ferienaufenthalt. Im Supermarkt werden die Grenzen des Konsums sichtbar, denn es ist nicht mehr alles in den Regalen zu finden und wir merken, dass wir auch gar nicht all das brauchen, was wir sonst in unsere Einkaufwagen packen.

Wir haben den Autopiloten verlassen und treffen für einen Moment bewusste Entscheidungen, und auf vielen Ebenen schadet es uns nicht, im Gegenteil.

Wie wird es gelingen, diese positiven Aspekte in nachhaltige Verhaltensweisen umzuwandeln und nicht wieder bei der ersten Gelegenheit zu beginnen, masslos und achtlos zu konsumieren und zu reisen?

Meine ehrliche Antwort: Ich weiss nicht, wie die Welt sich nach der Coronakrise entwickeln wird. Ich spreche gerade mit so vielen Menschen, die sich die gleichen Fragen wie ich stellen und sich auch wünschen, dass wir uns verantwortungsvoll in dieser Welt bewegen. 

Das stimmt mich zuversichtlich. Und als einen ersten Schritt werde ich selber für mich ganz persönlich all die positiven Aspekte dokumentieren, damit ich mich auch, wenn wir längst wieder zur Normalität übergegangen sind, erinnere, was mir wirklich guttut.

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Samstag, 14. März 2020 – Meine Woche ohne Nahrung beginnt.

Ein Beitrag von Melanie Gajowski

In dieser Woche möchte ich täglich die Gedanken zum Thema Geld und Fasten weiterentwickeln. Dabei freue mich sehr auf den Austausch mit anderen Menschen, denn Geld ist ja etwas ganz Persönliches und gleichzeitig auch etwas, dass uns alle betrifft, denn wie bereits im Blog «Kann man Geld essen?» erwähnt, ist Geld etwas, dass nur in einer Tauschbeziehung einen Nutzen erhält. Ich freue mich darauf, für die kommenden sieben Tage an jedem einzelnen Tag meine Gedanken über diesen Blog zu teilen.

Die unterschiedlichen Aspekte des Geldfastens, welche ich in den vorherigen Beiträgen angesprochen habe, sind für mich alle auf ihre Weise spannend. Für den Moment möchte ich die beiden Themen Geldfreiheit und Macht des Geldes betrachten. Aber ich schaue nicht nur auf mich ganz persönlich und meine Beziehung zum Geld, sondern mache den Fächer auf und schaue, was gerade in der Welt geschieht, wo Geldflüsse versiegen und Machtverhältnisse sich verändern.

Am Donnerstag, 12. März hat die USA einen 30-tägigen Einreisestopp gegenüber Europa ausgesprochen. Anschliessend waren die Börsen auf Talfahrt. Ein kurzer Artikel von SRF namens «Schwarzer Freitag – Die Börsen im freien Fall wegen Coronavirus» vom Morgen des Freitag, 13. März enthält einen Satz, der mich aufhorchen lässt. Dieser heisst «Doch die Anlegerinnen und Anleger glauben offenbar nicht daran, dass man eine Pandemie mit Geldpolitik bekämpfen kann.».

Dass wir als Gesellschaft durch einen Virus namens COVID-19 so sehr in unserer Art und Weise, wie wir unser Leben gestalten, in Frage gestellt werden, konnte sich noch vor ein paar Wochen niemand vorstellen. 

Als ich zu Beginn der Fastenzeit in meinem Blogbeitrag mir selber die Frage gestellt habe, was passieren könnte, wenn die wohlhabende Welt für eine Woche auf Einnahmen verzichten würde, habe ich nicht erwartet, dass ich so schnell eine reale, in unserer Wirtschaftswelt verankerte Antwort darauf bekommen würde. Das was gerade in der Welt in Verbindung mit diesem Virus passiert, hat Auswirkungen, die weit über die Eindämmung einer Krankheit hinaus gehen.

Fast jeder Bereich unseres Lebens ist in irgendeiner Form betroffen. Da ich mich entschieden habe, in dieser Zeit über Fasten und Geld zu schreiben, werde ich mich auch bis Ostern, dem Ende der offiziellen Fastenzeit darauf fokussieren, dies jedoch nicht ohne ab und zu auf die Aktualität zurückkommen, denn ich denke, noch besser gesagt, ich wünsche uns allen, dass wir aus dieser Krise auch Schlüsse ziehen und Antworten auf die Frage finden werden, was an unserer aktuellen Form, zu leben vielleicht auf Dauer verändert werden könnte. Ich erinnere einfach nochmals daran, wie gut einige der Massnahmen gegen den Virus für Klima und Natur sind und auch ein massvolles, genügsames Konsumverhalten unterstützen.

Die aktuelle Entwicklung in der Corona Krise macht deutlich: Ein unerwartetes Ereignis und unsere regelmässigen Geldflüsse sind gefährdet und unsere so mühsam aufgebauten Sicherheitspolster in Geldeinheiten schmelzen an manchen Stellen bereits bedrohlich zusammen. 

Medien berichten von Umsatzeinbussen, Arbeitnehmer werden in die Kurzarbeit geschickt, Restaurants bleiben leer. Und nun wird es auch an den Börsen sichtbar, zum Beispiel durch tiefrote Zahlen und Rekordverluste am Donnerstag, 12. März 2020.

Der Geldfluss stockt – unfreiwillig. Wie ich im Blog «Wenn Geldflüsse unterbrochen werden: Führt der Coronavirus zu unfreiwilligem Geldfasten?» festgestellt habe, hat dies nichts mit Geldfasten zu tun, da Fasten Freiwilligkeit bedingt. Bei der Suche nach der Antwort «Was ist die Wirkung des Geldfastens?» ist eine Auseinandersetzung mit den aktuellen Ereignissen hilfreich, denn in beiden Fällen fliesst das Geld nicht mehr so weiter, wie bisher.

So sehr ich mich in Menschen und Institutionen hineinversetzen kann, die in wenigen Tagen zwischen 10 bis 25% oder auch noch mehr des Wertes ihres Vermögens an der Börse verloren haben, ich sehe es als ein wegweisendes, fast positives Zeichen, wenn wir erkennen, dass Geld an sich nie die Lösung eines Problems, einer Herausforderung sein kann. Geld kann unterstützen, aber Geld an und für sich ist nicht das, was wir wirklich brauchen.

Wenn wir sagen «Ich benötige Geld, um im Alter gut zu Leben» meinen wir eigentlich: Ich möchte auch im Alter eine schöne Wohnung haben; ich möchte, wenn ich krank bin, eine gute Betreuung und Versorgung haben; ich möchte auch im Alter gut und gesund leben.

Wenn wir sagen «Ich benötige Geld, um zum Frisör zu gehen» benötigen wir eigentlich einen Haarschnitt oder vielleicht auch nur eine Kopfmassage oder ein Gespräch mit einem Menschen, der uns sympathisch ist.

Ich erzähle nichts wirklich Neues, wenn ich sage, dass all diese Bedürfnisse inzwischen auch ohne Geld erfüllt werden können.

Ein paar Beispiele aus meinem ganz persönlichen Umfeld, im Wissen, dass es noch viele weitere gibt.

KISS – die vierte geldfreie Vorsorgesäule

«Keep ishort and simple» baut Zeitkonten auf, die in einer späteren Phase im Leben wieder abgerufen werden können. KISS-Genossenschaften bieten ihren freiwillig tätigen Mitgliedern vielseitige Unterstützung, indem sie Menschen in allen Lebenslagen und -altern begleiten, mit alltäglichen Dienstleistungen in Haus und Garten, Fahrten, mit Zuhören und Gesprächen, Spazieren, Bewegung usw. Die sich unterstützenden Menschen («Tandems») werden durch Fachpersonen zusammengeführt und begleitet.

Tauschen am Fluss

In dieser Tauschbörse werden die unterschiedlichsten Dienstleistungen ausgetauscht. Eine Übersicht aller aktuellen Angebote findet sich in der Marktzeitung.

Puraverdura

Puraverdura ist eine Genossenschaft bei mir direkt um die Ecke, wo ich ab Sommer dieses Jahres einen Teil meiner Nahrung beziehen kann, da ich Genossenschaftlerin bin. Im Gegenzug habe ich einen finanziellen Genossenschaftsbeitrag geleistet und werde zusätzlich mit Arbeiten wie Jäten, Ernten und ähnliches meinen Anteil an der Ernte verdienen. Dies ist für mich nicht vollständig geldfrei, da ich mich entschieden habe, nur acht Arbeitseinsätze zu leisten. Mit mehr Arbeitseinsätzen kann man die Geldleistung bei verschiedenen Formen der solidarischen Landwirtschaft wesentlich reduzieren. 

Genossenschaften für solidarische Landwirtschaft finden sich inzwischen überall. Zu Beginn braucht es eine Anfangsinvestition und auch die Mitarbeitenden müssen in Geldeinheiten bezahlt werden – denn wir leben nun mal auch noch im althergebrachten Geldwirtschaftssystem. Erst wenn vollständige Tauschzirkel aufgebaut sind, werden diese Systeme immer robuster werden und weniger Geld muss fliessen.

Sieben Linden ist ein Dorf in Deutschland, welches als gesamte Siedlung darauf ausgerichtet ist, sich unabhängig von globalen Geldflüssen zu machen. Viele gute Ideen und Impulse sind hier zu finden. 

Zusammengefasst:

Es gibt also Wege, um in eine Geldfreiheit zu kommen und sich der Macht, welche das Geld über uns zu haben scheint, längerfristig zu entledigen. Zugegeben, sie sind aufwendiger als mancher Job. Hier darf sich jeder und jede fragen: 

Was sind mir meine Geldfreiheit und ein gutes Leben wert? 

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Ein Leben ohne Geld

Ein Beitrag von Melanie Gajowski

Für den Moment möchte ich noch ein wenig bei der Wirkung des Geldfastens verweilen. Natürlich bin in nicht die erste, die sich über den Verzicht von Geld Gedanken macht. Im Internet gibt es inzwischen unzählige Artikel zum Leben ohne Geld. Es gibt auch einige Menschen, die für mehrere Jahre vollständig ohne Geld gelebt haben und über ihre Erfahrungen berichtet haben.

Heute möchte ich Menschen erwähnen, die mich auf meinem Weg inspiriert haben und von denen ich auf die unterschiedlichste Art und Weise lernen konnte. Die kommenden Absätze sind bewusst mit verschiedenen Links versehen, damit jene, die sich auf eigenen Wegen dem Thema nähern wollen, weiterlesen und weiterforschen können. 

Raphael Fellmer zum Beispiel hat von 2010 bis 2015 in einem vollständigen Geldstreik gelebt. Daraus resultierte unter anderem die Gründung von Foodsharing Deutschland, einer Bewegung, aus welcher heraus Tausende Menschen einen neuen Umgang mit Lebensmittelverschwendung entwickelt haben. Auch in der Schweiz ist Foodsharing nun schon seit Jahren etabliert und erfolgreich. Raphael Fellmers aktuelles Projekt ist sirplus, ein Onlinesupermarkt geschaffen zur Rettung von Lebensmitteln. Raphael war es wichtig, auf die Art wie wir häufig gedankenlos konsumieren, aufmerksam zu machen. Vor der Wirkung, die seine Initiative erzeugt hat, verbeuge ich mich. Wobei er war natürlich nicht alleine unterwegs. Der Aufbau von Foodsharing hat viele Hände, Köpfe und Herzen gebraucht. Sein Impuls war jedoch äusserst wirkungsvoll. Eine nachhaltige Wirkung des vollständigen Verzichts auf Einnahmen und Ausgaben einer Person ist in diesem Fall zu einer Bewegung geworden: dem Foodsharing.

Meine erste Begegnung mit dem Thema Geldverzicht liegt nun schon viele Jahre zurück. Im Jahr 2001 habe ich von Heidemarie Schwermer gehört bzw. im Fernsehen eine Reportage über sie gesehen. In diesem Jahr brachte Sie ihr Buch «Das Sterntalerexperiment: mein Leben ohne Geld» heraus. Bis zu ihrem Tod im Jahr 2016 hat sie 20 Jahre fast vollständig ohne Geld gelebt. Mich hat das beeindruckt, doch irgendwie war mir klar: Dies ist nicht mein Weg. Auch bei ihr waren Kompromisse notwendig und häufig bekam sie den Vorwurf zu hören, dass sie zwar nicht vom eigenen Geld lebt, jedoch vom Geld der anderen. Für mich kann der vollständige Geldverzicht in unserer durch das Geld bestimmten Gesellschaft auch nicht die Lösung sein. Und trotzdem, was Heidemarie Schwermer mir gezeigt hat ist, dass es für eine einzelne Person möglich ist, so gut wie ohne Geld zu leben. Auch dies ist eine wichtige Wirkung.

Beim Vorbereiten der Links für diesen Blogeintrag bin ich auf den Artikel «Leben ohne Geld- geht das?»gestossen. Dabei ist mir noch deutlicher als bisher klar geworden, wie gross die gedankliche Auseinandersetzung mit dem Verzicht auf Geld schon heute in einem Teil der Gesellschaft verankert ist. Initiativen wie Couchsurfing, Kleidertausch, carsharing oder book crossing  sind in vielen Kreisen etabliert und auch eine Art auf die Verwendung von Geld zu verzichten.

Auch wenn ich selber die Entscheidung getroffen habe, für den jetzigen Augenblick weiterhin ein aktiver Teil des aktuellen Wirtschafts- und Geldsystems zu bleiben, so habe ich für mich und mein Leben über die letzten Jahre eine grosse Geldfreiheit erschaffen, ein Begriff, den ich mir von Tobi Rosswog ausgeliehen habe. Auch er ist ein sehr inspirierender Geist. In seiner Auseinandersetzung mit dem Thema Geld begründen die unterschiedlichsten Initiativen, die unsere Welt ein klein wenig verantwortungsvoller machen wollen. Ihm geht es, wie auch mir, nicht darum, vollständig ohne Geld zu leben, sondern sich von der Macht des Geldes zu befreien. Der Macht des Geldes werde ich noch einen Abschnitt in einem separaten Blogbeitrag widmen, denn ich denke dahinter liegt der Schlüssel zu einer sehr wichtigen Wirkung des Geldfastens verborgen.

Unter Geldfreiheit verstehe ich einen Zustand, in dem ich das Geld als eine liebevolle und hilfreiche Unterstützung in der Erfüllung meiner Bedürfnisse und Wünsche sehen kann.  Geld als ermöglichende Ressource, im Wissen, dass auch ohne die Abhängigkeit von Geld ein lebenswertes Leben möglich ist. 

Geldfreiheit im Sinne von das Geld als eine liebevolle und hilfreiche Unterstützung, aber nicht als absolut notwendig zu sehen ist für mich im Moment das wichtigste und wirkungsvollste Ergebnis von meiner Auseinandersetzung mit Geldfasten. Unabhängig vom Geld zu sein erlaubt uns, wieder Lebensentscheidungen zu treffen, die unseren ganz persönlichen Bedürfnissen und Lebensentwürfen entsprechen. Es muss nicht unbedingt ein Leben aus dem Abfallcontainer sein, aber wenn jede von uns beginnt achtsame Geldentscheidungen zu treffen, werden wir bemerken, wieviel weniger Geld bei wieviel mehr Lebensfreude möglich sein kann. Ich selbst bin übrigens über Umwege ebenfalls zum Containern gekommen. Damals als Lauren Wildbolz im Rahmen ihrer Studienarbeit zum Kochen mit Abfällen einlud, habe ich mich aus Neugier angemeldet. Wie so häufig, hatte ich «das Kleingedruckte“ nicht gelesen und mich einfach zum Ort begeben, der als Treffpunkt angegeben war. Was ich nicht wusste, war, dass wir die Zutaten für unser Abendessen noch selber aus den Containern eines nahegelegenen Supermarktes in Zürich Altstetten holen mussten. Ich erinnere mich noch ziemlich genau, wie entsetzt ich war, als ich all die Lebensmittel im Müll entdeckte. Zum Teil originalverpackt und so gut wie alles noch frisch und unbeschädigt. 

Geldfasten und bewusste, verantwortungsvolle Konsumentscheidungen gehören meiner Ansicht nach eng zusammen. In den heutigen Blog ging es um Konsum Verzicht, im nächsten Beitrag werde ich wieder fokussierter der Spur des Geldes folgen. Und natürlich braucht es auch noch eine Auseinandersetzung, was nun mit all dem nicht ausgegebenen Geld geschehen soll. In den Blogbeiträgen während der Woche, in der ich faste und damit auch Geld faste, möchte ich über die Wirkung des Verzichts auf meine ganz persönlichen Lebensbedingungen nachdenken. Aber vergessen wir nicht, es gibt andere Menschen, die den Luxus, sich über Geldverzicht Gedanken zu machen, gar nicht haben. Weil sie von allem zu wenig besitzen: Nahrungsmittel, Bildung, Unterkunft. Hier ist ein Geldfasten bestimmt nicht die erste Priorität. Aber vielleicht schaffe ich es ja, dass mein Weniger an einem anderen Ort zu einem Mehr wird? Noch eine Spur, die ich weiter verfolgen möchte.

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Kann man Geld essen?

Ein Beitrag von Melanie Gajowski

Nein – natürlich nicht. Geld selber nährt uns nicht. Wir müssen es immer in etwas anderes, zum Beispiel in Lebensmittel, umtauschen. Leben vom Geld können wir also nicht. 

«Was könnte die Wirkung von Geldfasten sein?» Diese Frage habe ich zum Ende des zweiten Blogeintrages gestellt. Bevor ich die Frage zu beantworten versuche, möchte ich zunächst einmal für jene, die sich weniger oder anders mit Geld beschäftigen als ich, der Frage nachgehen, was Geld ist.  

Es scheint, fast alle denken, dass sie Geld zum Leben brauchen. Das ist irgendwie wahr – und dann doch wieder nicht. Denn, wie schon eingangs festgestellt: Geld können wir nicht essen! Aber in der Welt, in der wir leben, scheint Geld eines der wichtigsten Elemente zu sein, denn für so gut wie alles scheinen wir Geld zu benötigen – so denken und leben wir zumindest.

Mit meinen ersten Blogbeiträgen zum Thema Geldfasten habe ich mehr Fragen als Antworten in den Raum gestellt, mehr Unordnung als Ordnung in meine Gedanken gebracht, die um das Thema der Wirkung des Verzichts auf Geld kreisen.

Auch beim Nahrungsfasten ist es in den ersten Tagen immer wieder so, dass meine Gedanken in Aufruhr geraten und mein Körper eine Alarmstellung einnimmt. Der Verzicht auf feste Nahrung bedeutet auch, dass mein Stoffwechsel sich verändert und sich auf die neue Situation einstellt. Seitdem ich mich gedanklich mit dem Geldfasten beschäftige, beobachte ich, wie sich sowohl meine Einstellung als auch meine Ansichten über das Geld und seine Wirkung auf mich verändern.

Die Auseinandersetzung mit dem Geldfasten findet bei mir vorläufig nur in Gedanken und nicht in Taten statt. Das war wahrscheinlich auch so, als ich vor inzwischen mehr als 30 Jahren zum ersten Mal in meinem Leben zu einer Woche Fasten und Wandern ins Berchtesgadener Land gefahren bin. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten wird, und war ziemlich aufgeregt und neugierig. Damals konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, dass ich mehr als 24 Stunden ohne Nahrung auskommen werde.

Zurück zum Geld. 

Sieben Tage ohne Geldausgaben hat auf mein persönliches Leben keinen erkennbaren Einfluss. Aber das liegt vielleicht auch daran, dass Geld und Zeit auf eine Weise miteinander verbunden sind, in der eine Woche nicht wirklich eine Rolle spielt. Meine Einnahmen und Ausgaben kann ich für eine gewisse Zeit aufschieben. Natürlich nicht für ewig und schon gar nicht lange über eine bestimmte Fälligkeit hinaus, aber ein paar Tage oder Wochen kann ich die meisten Zahlungen hinauszögern. 

Mein Vermieter erwartet von mir die monatliche Zahlung der vereinbarten Miete. Wenn ich ausnahmsweise ein paar Tage später zahle, wird die Welt nicht untergehen. Wenn ich natürlich regelmässig verspätet bin oder sich die unbezahlten Mieten anhäufen, ist dies etwas anderes. Dann wird mein Vermieter die Geduld mit mir verlieren und den Mietvertrag kündigen.

Für die Annäherung an die Wirkungen des Geldfastens ist es spätestens jetzt notwendig, dass ich mir nochmals genau anschaue, wo Geld eigentlich seine Wirkung verbreitet.

Im Beispiel von meinem Vermieter und mir ist es eine Vereinbarung, die er und ich getroffen haben, für die Nutzung von etwas, dass ihm gehört und welches er mir gegen Zahlung eines monatlichen Betrages zur Verfügung stellt. 

Ich glaube, wenn ich ihm erklären würde, aufgrund meiner Idee, Geldfasten längerfristig zu erforschen, für die kommenden Monate keine Miete mehr zu bezahlen, wäre er nicht einverstanden. Ich würde damit einseitig eine Vereinbarung, die wir getroffen haben, nicht einhalten. Sein Unmut darüber wäre mehr als verständlich.

Also, zurück auf Feld 1, zurück zur Frage: «Was ist Geld?»

Der Duden definiert Geld wie folgt:

  1. in staatlichem Auftrag aus Metall geprägtes oder auf Papier gedrucktes Zahlungsmittel
  2. größere [von einer bestimmten Stelle stammende, für einen bestimmten Zweck vorgesehene] Summe
  3. Kurzform für Geldkurs (Beispiel US-Dollar = Euro 0,82 Geld)

Und zur Herkunft des Wortes «Geld» sagt der Duden:

mittelhochdeutsch gelt = Zahlung, Vergütung, Einkommen, Wert; dann: geprägtes Zahlungsmittel, althochdeutsch gelt = Zahlung; Lohn; Vergeltung, zu gelten

Für ein einigermassen vollständiges Bild muss ich zunächst auch noch die Frage «Was ist die Funktion von Geld in der Wirtschaft?» beantworten, denn Geld und Wirtschaft sind ja bekanntlich eng miteinander verbunden.

Geld erfüllt in unserer Wirtschaft vier Funktionen:

  1. allgemeines Tausch- und Zahlungsmittel
  2. Wertmesser und Recheneinheit
  3. Wertaufbewahrungsmittel
  4. Wertübertragungsmittel

1.  und 2. sind für die meisten wahrscheinlich noch logisch und präsent. Daher erläutere ich sie hier nicht weiter.

Zu 3.: Wertaufbewahrung bedeutet vereinfacht, dass Geld den Wert einer erbrachten Leistung speichert. Ein Beispiel: Ich arbeite einen Monat und am Ende des Monats erhalte ich dafür einen bestimmten Betrag. Einen Teil davon verwahre ich für die kommenden Monate auf meinem Konto und nutze ihn anschliessend, um mir ein Sofa für meine Wohnung zu kaufen. Der Termin, zu dem ich das Geld bekommen habe und meine Leistung erbracht habe, und der Termin, zu dem ich das Geld wieder ausgebe, liegen zeitlich auseinander. Geld ermöglicht mir, selber zu bestimmen, wann ich die gebrachte Leistung in etwas anderes umwandle. Diese Speicherfunktion ist der Grund dafür, dass es so gut wie keine Auswirkung auf mich hat, wenn ich eine Woche Geldfaste. Mit Wertübertragung, der vierten genannten Funktion, ist gemeint, dass etwas durch das Geld einem bestimmten Wert zugeordnet wird. Zum Beispiel der oben erwähnte Lohn entspricht dem Wert, den meine Arbeitgeberin meiner Arbeit beimisst. Der Betrag, den mein Vertragspartner im Kontext meiner Selbständigkeit für meine Dienstleistung bezahlt, entspricht dem Wert meiner Leistung in Geldeinheiten. Diesen Wert kann ich in Form von Lebensmitteln, einem Sofa oder irgendetwas anderes, was ich kaufen kann, transformieren.

Soviel zur Definition von Geld. 

Wie wirkt also Geldfasten? 

Zunächst einmal ist in dieser Vorbereitungszeit die Hauptwirkung auf mich, dass ich mich wirklich, intensiv und ehrlich mit meinem Verhältnis zum Geld beschäftige. Dies ist etwas, was normalerweise im Alltag untergeht. 

In meinem Alltag ist meist genug Geld da, für das, was ich mir leisten möchte, manchmal zugegebenermassen zu wenig für alles und dann muss ich mich fragen, ob ich das, was ich gerade kaufen möchte, wirklich brauche und wenn ja, wie ich die notwendigen Mittel erschaffe: Durch zusätzliches Arbeiten, durch Sparen, dadurch, dass ich mir das Geld leihe oder mit Glück auch dadurch, dass mir jemand, etwas von sich aus schenkt.

 «Brauche ich das schöne Sofa wirklich, und wenn ja, muss ich es mit Geld kaufen?» ist eine weitere Frage, die durch meine Beschäftigung mit dem Geldfasten sichtbar und relevant wird. So wie ich mich nach dem Abschluss einer Fastenwoche jedes Mal beim Verzehr von Nahrungsmitteln frage, ob mir das, was ich gerade zu mir nehme, wirklich gut tut.

Es wird spannend werden, weitere Wechselwirkungen zwischen Geld und Fasten im Verlauf der Fastenzeit näher anzuschauen.

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